Lied der Nymphe Persante

Karl Wilhelm Ramler

1768

Er siegt! mein Perseus siegt! – Ihr Freudenzähren, Erstickt nicht meinen Lobgesang! – O Fluten meines Stroms, erzählt in allen Meeren Das Drachen Untergang!

Hier, wo der Belt, mein Kolberg zu verschonen, Mit Dünen sein Gestad’ umzieht, Sass’ ich, und sang entzückt den horchenden Tritonen Von meinem Freund’ ein Lied.

»Er schlug das Raubthier jüngst, das der beschneyte Riphäus auf mich ausgespien, Als ich, verlassen von den Göttern, seine Beute Unwiederbringlich schien.«

Ich sprachs: als ich urplötzlich einen Drachen Aus blauer Tiefe steigen sah Mit fünfzig aufgerissnen feuerspeynden Rachen: Ohnmächtig lag ich da.

Mein Perseus flog in diesem Augenblicke Herab von seiner Warte, schwang Sein glorreich Eisen, hielt den Tod im Meer zurücke Dreymal neun Tage lang.

Ha! welche Flammenströme schoss die Hyder Nach seinem Leben! – Endlich fand Mein Flehn der Götter Ohr: und Waffen fielen nieder Da, wo mein Gastfreund stand.

So bald ihm Plutons Helm das Haupt verhüllte, Ihn Hermes Flügel trug, der Speer Der schrecklichen Minerva seine Rechte füllte: Stürzt’ er die Pest ins Meer.

Von meinen Lippen soll sein Lob erschallen, Ich feyre dankbar meinen Held, So lang’ in dieses Hafens Arme Segel wallen Vom Ostwind’ aufgeschwellt.

Ihm selbst will ich, wann er den Strand begrüsset, Auf seine Wege Kalmus streun Und Muscheln; denn mein Fluss ist arm: kein Goldfand fliesset, Kaum Ambra rollt hinein.

Und du, mein Barde, der du vor den Thoren Von deiner mütterlichen Stadt Einst Lieder lalletest, wenn sie, die dich geboren, Noch deine Liebe hat:

So singe meinen Liebling, meinen Retter In jene Laute, die dir jüngst Besaitet ward, in welche du den Kampf der Götter Mit den Titanen singst.

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Illustration zu Lied der Nymphe Persante

Interpretation

Das Gedicht "Lied der Nymphe Persante" von Karl Wilhelm Ramler erzählt die heldenhafte Geschichte von Perseus und seiner Rettung der Nymphe Persante. In drei Strophen schildert die Nymphe ihre Erlebnisse und ihren Dank gegenüber Perseus. In der ersten Strophe ruft Persante ihre Freudentränen zurück und bittet die Fluten ihres Flusses, die Geschichte des Drachentods in alle Meere zu tragen. Sie erinnert sich an den Ort, wo sie von ihrem Freund sang und die Tritonen bezauberte. Die zweite Strophe berichtet von der Bedrohung durch den Drachen, der aus der blauen Tiefe aufsteigt und Persante beinahe das Leben gekostet hätte. Doch Perseus erscheint und kämpft neun Tage lang gegen den Drachen, bis die Götter auf sein Flehen hören und ihm Waffen zukommen lassen. In der dritten Strophe beschreibt Persante, wie Perseus mit den Waffen der Götter den Drachen besiegt und ins Meer stürzt. Sie schwört, sein Lob zu singen, solange Segel vom Ostwind in den Hafen getrieben werden. Sie verspricht, ihm Kalmus und Muscheln zu streuen, wenn er den Strand begrüßt, da ihr Fluss arm ist und nur wenig Gold und Ambra enthält. Die letzte Strophe richtet sich an den Barden, der vor den Toren seiner Mutterstadt Lieder sang, solange seine Mutter seine Liebe noch hat. Persante bittet ihn, ihre Geschichte und die Heldentat Perseus' in seiner Laute zu singen, die er kürzlich erhielt, um den Kampf der Götter gegen die Titanen zu besingen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Er siegt! mein Perseus siegt!
Anspielung
Kampf der Götter mit den Titanen
Apostrophe
O Fluten meines Stroms, erzählt in allen Meeren
Enjambement
Er siegt! mein Perseus siegt! – Ihr Freudenzähren, Erstickt nicht meinen Lobgesang!
Euphemismus
Gestad'
Hyperbel
Dreymal neun Tage lang
Kontrast
So lang' in dieses Hafens Arme Segel wallen / Vom Ostwind' aufgeschwellt
Metapher
Freudenzähren
Personifikation
O Fluten meines Stroms, erzählt in allen Meeren
Symbolik
Flammenströme
Vergleich
Wie ein Lied
Wiederholung
Mein Perseus flog in diesem Augenblicke