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Lied der Liebe in die Heimath

Von

Ach warum in dieser Ferne,
Süßes Herz, so weit von dir?
Alle Sonnen, alle Sterne,
Oeffnen ihre Augen mir,
Nur die schönsten blauen Strahlen,
Nur das reinste tiefste Licht,
Drin sich Erd′ und Himmel malen,
Nur dein treues Auge nicht.

Ja, ich seh′ in wilden Lauben,
Ueber Bergen, über Seen,
Kind voll Unschuld und voll Glauben,
Dich in frommer Stille gehn.

Um die bleichen feuchten Wangen
Spielt die frische Abendluft,
Und es steigt dein zart Verlangen
Himmelwärts wie Blumenduft.

Thrän′ an Thräne seh′ ich rinnen
Tief aus deines Auges Nacht,
Und mit glühend heißen Sinnen
Hängst du an der Sterne Pracht –
O mein Kind, in jenen Räumen
Suchst du den Geliebten schon,
Und so früh den schönen Träumen
Spräche das Verhängniß Hohn?
Nein, dem liebenden Gemüthe
Sind sie schmerzlich sanfter Trost!
Nach dem Winter kommt die Blüthe,
Die ein neuer West umkost.
Bei den heimathlichen Auen,
Bei der Burgruine Bild,
Da, wo Aug′ und Blumen thanen,
Mädchen, sei dein Weh gestillt.

Was du weinend mir gegeben,
All dein himmlisch Heiligthum,
War ein Kuß fürs Erdenleben,
War es für Elysium.
Mein ist dein verschämtes Zagen,
Mein die jungfräuliche Scheu,
Konntest du so muthig wagen,
Liebes Herz, so bleibe treu!

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Gedicht: Lied der Liebe in die Heimath von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Lied der Liebe in die Heimath“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine sehnsuchtsvolle Liebeserklärung, die von der Ferne und dem Leid der Geliebten handelt. Der Dichter, vermutlich durch die Entfernung von seiner Angebeteten getrennt, betrachtet sie in seiner Vorstellung, während sie in stiller Einsamkeit ihrer Gedanken nachhängt. Das Gedicht ist von Melancholie geprägt, aber auch von der Hoffnung auf ein Wiedersehen und der Gewissheit der ewigen Liebe.

Waiblinger malt in den ersten Strophen ein Bild der Sehnsucht. Obwohl er die Schönheit der Natur wahrnimmt („Alle Sonnen, alle Sterne“), fehlt ihm das Wichtigste: der Blick seiner Geliebten. Er stellt sich vor, wie sie durch die Natur wandert, mit „bleichen feuchten Wangen“, während sie ihm Nacht träumt. Die Tränen, die sie vergießt, werden als Ausdruck ihres Schmerzes interpretiert, doch gleichzeitig ist sie in ihrer Hingabe an die Sterne und die himmlische Sphäre aufgehoben. Dies verdeutlicht die tiefe, spirituelle Verbundenheit, die der Dichter mit ihr teilt.

Die zentrale Botschaft des Gedichts liegt in der Hoffnung auf Trost und Heilung. Waiblinger versichert seiner Geliebten, dass die Tränen zwar schmerzlich sind, aber auch Trost spenden. Nach dem „Winter“ des Leids wird die „Blüthe“ der Freude kommen. In der Heimath, an den vertrauten Orten ihrer Kindheit und Jugend, soll ihr Schmerz gelindert werden. Die Natur, die als Zeuge ihrer Liebe und Sehnsucht dient, wird zum Ort der Hoffnung und Erneuerung.

In den abschließenden Strophen bekräftigt der Dichter seine Liebe und Treue. Die „verschämtes Zagen“ und „jungfräuliche Scheu“ der Geliebten werden als kostbare Gaben angesehen, die seine Liebe noch verstärken. Er ermutigt sie, treu zu bleiben, und versichert ihr, dass ihre Liebe ein Geschenk für das irdische Leben ist. Die letzte Zeile deutet auf die Ewigkeit der Liebe hin, indem sie das Erdenleben mit dem Elysium, dem Paradies, vergleicht. Das Gedicht ist somit eine Hommage an die unsterbliche Liebe und die Hoffnung auf ein Wiedersehen in der Ferne.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.