Lied der Freundschaft
1605Der Mensch hat nichts so eigen, so wohl steht ihm nichts an, als dass er Treu’ erzeigen und Freundschaft halten kann; wann er mit seinesgleichen soll treten in ein Band, verspricht sich, nicht zu weichen mit Herzen, Mund und Hand.
Die Red’ ist uns gegeben, damit wir nicht allein für uns nur sollen leben und fern von Leuten sein; wir sollen uns befragen und sehn auf guten Rat, das Leid einander klagen, so uns betreten hat.
Was kann die Freude machen, die Einsamkeit verhehlt? Das gibt ein doppelt Lachen, was Freunden wird erzählt; der kann sein Leid vergessen, der es von Herzen sagt; der muss sich selbst auffressen, der in geheim sich nagt.
Gott stehet mir vor allen, die meine Seele liebt; dann soll mir auch gefallen, der mir sich herzlich gibt. Mit diesem Bunds-Gesellen verlach’ ich Pein und Not, geh’ auf den Grund der Höllen und breche durch den Tod.
Ich hab’, ich habe Herzen, so treue wie gebührt, die Heuchelei und Scherzen nie wissentlich berührt; ich bin auch ihnen wieder von Grund der Seelen hold; ich lieb euch mehr, ihr Brüder, als aller Erden Gold.
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Interpretation
Das Gedicht "Lied der Freundschaft" von Simon Dach ist eine Ode an die Freundschaft und ihre Bedeutung im Leben des Menschen. Es betont, dass Treue und Freundschaft zu halten, das Wesentliche im menschlichen Dasein ist. Der Dichter hebt hervor, dass der Mensch nicht dazu bestimmt ist, allein zu leben, sondern dass er durch Freundschaft und den Austausch mit Gleichgesinnten bereichert wird. Die Fähigkeit, sein Leid mit Freunden zu teilen und Freude zu verdoppeln, wird als wertvoll dargestellt. In den weiteren Strophen vertieft Dach die Idee, dass Freundschaft nicht nur ein menschliches Bedürfnis, sondern auch eine göttliche Gabe ist. Gott steht an erster Stelle in der Hierarchie der Liebe, aber die Freunde, die sich aufrichtig geben, sind ebenfalls von unschätzbarem Wert. Der Dichter drückt aus, dass er mit seinen Freunden selbst die schlimmsten Prüfungen und den Tod überwinden würde, was die Tiefe und Stärke der Freundschaft unterstreicht. Abschließend betont Simon Dach die Aufrichtigkeit und Treue in seinen Freundschaften. Er schätzt seine Freunde mehr als materiellen Reichtum und ist sich sicher, dass diese Freundschaften auf Ehrlichkeit und gegenseitiger Zuneigung basieren. Das Gedicht ist eine leidenschaftliche Verteidigung der Freundschaft als einer der höchsten menschlichen Werte und als Quelle des Trostes und der Freude im Leben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- treu' erzeigen und Freundschaft halten
- Metapher
- Ich gehe auf den Grund der Höllen
- Parallelismus
- mit Herzen, Mund und Hand
- Personifikation
- Gott stehet mir vor allen
- Reimschema
- AABB
- Symbolik
- Erden Gold
- Synästhesie
- von Grund der Seelen