Lied der Freude

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

1616

Ach! was wollt ihr, trübe Sinnen Doch beginnen! Traurigsein hebt keine Noth; Es verzehret nur die Herzen, Nicht die Schmerzen, Und ist ärger, als der Tod.

Dornenreiches Ungelücke, Donnerblicke Und des Himmels Härtigkeit Wird kein Kummer linder machen; Alle Sachen Werden anders mit der Zeit.

Sich in tausend Thränen baden, Bringt nur Schaden Und verlöscht der Jugend Licht. Unser Seufzen wird zum Winde; Wie geschwinde Aendert sich der Himmel nicht!

Heute will er Hagel streuen, Feuer dräuen; Bald gewährt er Sonnenschein; Manches Irrlicht voller Sorgen Wird uns morgen Ein bequemer Leitstern sein.

Bei verkehrtem Spiele singen, Sich bezwingen, Reden, was uns nicht gefällt, Und bei trübem Geist und Sinnen Scherzen können, Ist ein Schatz der klugen Welt.

Ueber das Verhängniß klagen, Mehrt die Plagen Und verräth die Ungeduld; Solchem, der mit gleichem Herzen Trägt die Schmerzen, Wird der Himmel endlich hold.

Auf, o Seele, du mußt lernen, Ohne Sternen, Wenn das Wetter tobt und bricht, Wenn der Nächte schwarze Decken Uns erschrecken, Dir zu sein dein eigen Licht.

Du mußt dich in dir ergötzen Mit den Schätzen, Die kein Feind zu nichte macht Und kein falscher Freund kann kränken Mit den Ränken, Die sein leichter Sinn erdacht.

Von der süßen Kost zu scheiden Und zu meiden, Was des Geistes Trieb begehrt, Sich in sich stets zu bekriegen Und zu siegen, Ist der besten Krone werth.

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Illustration zu Lied der Freude

Interpretation

Das Gedicht "Lied der Freude" von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau ist ein Plädoyer für eine optimistische Lebenshaltung und die Überwindung von Trauer und Verzweiflung. Der Dichter argumentiert, dass Traurigsein keine Lösung für Probleme bietet, sondern nur das Herz verzehrt, ohne die Schmerzen zu lindern. Er betont, dass sich die Umstände mit der Zeit ändern und dass es wichtig ist, sich nicht von negativen Emotionen überwältigen zu lassen. Hoffmannswaldau ermutigt den Leser, auch in schwierigen Zeiten Freude und Lachen zu finden. Er vergleicht die Höhen und Tiefen des Lebens mit dem wechselhaften Wetter und betont, dass auch die dunkelsten Momente vorübergehen werden. Der Dichter plädiert für eine innere Stärke und Unabhängigkeit von äußeren Umständen. Er fordert den Leser auf, seine eigene Quelle des Lichts und der Freude in sich selbst zu finden, unabhängig von äußeren Sternen oder Leitsternen. Abschließend betont Hoffmannswaldau die Wichtigkeit der Selbstbeherrschung und der Fähigkeit, sich selbst zu besiegen. Er vergleicht diese Fähigkeit mit einer wertvollen Krone und betont, dass es sich lohnt, sich von äußeren Begierden zu lösen und innere Ruhe und Zufriedenheit zu finden. Das Gedicht ist eine ermutigende Botschaft über die Kraft der positiven Einstellung und der inneren Stärke inmitten der Herausforderungen des Lebens.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Anapher
Ach! was wollt ihr, trübe Sinnen Doch beginnen! Traurigsein hebt keine Noth; Es verzehret nur die Herzen, Nicht die Schmerzen, Und ist ärger, als der Tod.
Hyperbel
Es verzehret nur die Herzen
Kontrast
Bei verkehrtem Spiele singen
Metapher
besten Krone
Personifikation
Himmel