Lied der Eckensteher

Adolf Glaßbrenner

1810

(Nach bekannter Melodie.)

Det beste Leben hab′ ick doch; Ick kann mir nich beklagen, Pfeift ooch der Wind durch′s Aermelloch, Det will ick schonst verdragen.

Det Morjens, wenn mir hungern dhut, Eß ick ′ne Butterstulle, Dazu schmeckt mir der Kimmel jut, Aus meine volle Pulle.

Ick sitz mit de Kam′raten hier Mit alle, jroß un kleene; Beleidigt ooch mal eener mir, So stech′ ich ihm jleich eene!

Und drag ich endlich mal wat aus, So kann ick Jroschens kneifen, Hol wieder meine Pulle ′raus Un dhue eenen pfeifen.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Lied der Eckensteher

Interpretation

Das Gedicht "Lied der Eckensteher" von Adolf Glaßbrenner beschreibt das einfache und sorglose Leben von Menschen, die sich in einer Art Gemeinschaft an einem bestimmten Ort aufhalten. Der Erzähler gibt sich mit wenig zufrieden und betont, dass er sich nicht zu beklagen hat. Das Leben wird als angenehm dargestellt, auch wenn es manchmal hart ist, wie zum Beispiel wenn der Wind durch die Ärmel pfeift. Die einfache Freude am Morgen mit einer Butterstulle und einem Schluck aus der Pulle zeigt eine Zufriedenheit mit den kleinen Dingen des Lebens. Die Gemeinschaft der "Eckensteher" wird als eng verbunden und loyal dargestellt. Der Erzähler sitzt mit Kameraden zusammen, groß und klein, und betont die Solidarität innerhalb der Gruppe. Wenn jemand beleidigt wird, wird sofort zur Verteidigung geschritten, was auf eine starke Verbundenheit und den Schutz der Gemeinschaft hindeutet. Das gemeinsame Leben wird als harmonisch und unterstützend gezeigt, wobei kleine Konflikte schnell beigelegt werden. Am Ende des Gedichts wird die Routine des Lebens beschrieben. Wenn der Erzähler etwas Geld verdient, wird es für Kleinigkeiten ausgegeben, wie zum Beispiel eine Butterstulle oder einen Schluck aus der Pulle. Das Pfeifen am Ende symbolisiert eine gewisse Resignation, aber auch eine Art von Zufriedenheit mit dem eigenen Schicksal. Das Leben der "Eckensteher" wird als ein ständiges Hin und Her zwischen Arbeit und Freizeit dargestellt, wobei die einfachen Freuden im Vordergrund stehen. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre von Gemütlichkeit und Unbeschwertheit, trotz der bescheidenen Lebensumstände.

Schlüsselwörter

ick det kann ooch pulle bekannter melodie beste

Wortwolke

Wortwolke zu Lied der Eckensteher

Stilmittel

Alliteration
Det Morjens, wenn mir hungern dhut
Bildsprache
Dazu schmeckt mir der Kimmel jut, Aus meine volle Pulle
Hyperbel
So stech′ ich ihm jleich eene!
Metapher
Det beste Leben hab′ ick doch; Ick kann mir nich beklagen
Metonymie
Hol wieder meine Pulle ′raus Un dhue eenen pfeifen
Personifikation
Pfeift ooch der Wind durch′s Aermelloch
Symbolik
Ick sitz mit de Kam′raten hier Mit alle, jroß un kleene