Lied auff eine Französische Melodey
1621Dir / O mein Leben! bin ich ergeben / Ich tuh auch / was ein Diener kan / dennoch / mein Licht / lohnst du mir nicht / wie du wohl schuldig / weil ich gedultig die Marter nehme an. Wer wil vertragen so große Plagen / und haben keinen Lohn davohn? bist nicht ein Knecht / Der Treu und Recht dient / und gedultig / den Lohn auch schuldig? drümb gib mir meinen Lohn. Zwahr deinen Willen magst du erfüllen / dennoch dien ich dir nicht umbsonst / wilt du / mein Licht / mehr mir denn nicht / wilt du / mein Leben / mehr mir nicht geben / so gib mir deine Gunst. Wo dise Gaben ich nicht kan haben / so werd ich grau auff einen Tag / wo ich dis nicht erlang / mein Licht / daß deine Straalen auff mich frey fallen / verlohren ist die Sach. Schau der Welt Sachen / wie eß die machen / wie eß vohn anfang ist gemacht / Schaw an das Vieh / das sich / ohn Müh / fein pflegt zu paaren / laß uns auch fahren den Weg / da Glücke lacht. Soll′n dan die Zeiten vohrüber schreiten / in den′n die Jugend Bluhmen bringt / ohn Lust und Freud / in lauterm Leid? komb doch / mein Leben / du kanst mir geben / wohrnach die Jugend ringt. Ich wil gedenken / du wirst mir schencken für meine Müh die zarte Schoß / und was noch mehr ich auch begehr / kom / meine Sonne / komb meine Wonne / mach mich der Seuffzer loß! Wo diese Gabe ich nuhr bloß habe / so werd ich frey von aller Noht; geschiht eß nicht / daß mir mein Licht die Gunst wil geben / kan ich nicht leben / bin schon fast lebend todt. Drümb diss Bedingen lass mir gelingen; mein Lieb / wo du mich lieb gewinst / so liebe recht / wie ich dein Knecht; lass sich nicht enden die Lieb / noch wenden / so hab ich den Verdienst. Lass sich nicht enden / noch einmahl wenden die Liebe und Bestendigkeit / so kan ich seyn ganz ohne Pein / lass dich nicht lencken / du must gedencken Wo Lieb ist / ist auch Neid.
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Interpretation
Das Gedicht "Lied auff eine Französische Melodey" von Sibylla Schwarz thematisiert die unerwiderte Liebe des lyrischen Ichs zu seinem "Leben" und "Licht". Das Ich fühlt sich wie ein treuer Diener, der seine Liebe geduldig erträgt, aber keine Gegenliebe erfährt. Es fragt sich, warum es solche Qualen auf sich nehmen soll, ohne dafür belohnt zu werden. Das lyrische Ich wünscht sich von seinem "Leben" und "Licht" die Gunst und Zuneigung, die es verdient hätte. Es droht damit, an unerfüllter Liebe zu vergreisen, wenn es diese Gabe nicht erlangen kann. Das Ich vergleicht sich mit Tieren, die sich ohne Mühe paaren können, und wünscht sich, ebenfalls den Weg des Glücks gehen zu dürfen. Abschließend bittet das lyrische Ich seinen Geliebten, es für seine Mühe mit "der zarten Schoß" zu belohnen und es von seinen Seufzern zu erlösen. Es verspricht, für die ewige Liebe und Beständigkeit alles Leid auf sich zu nehmen. Das Gedicht endet mit dem Hinweis, dass dort, wo Liebe ist, auch Neid ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- wo ich dis nicht erlang
- Anrede
- O mein Leben!
- Hyperbel
- in den'n die Jugend Bluhmen bringt
- Metapher
- mein Licht
- Parallelismus
- lass sich nicht enden die Lieb, noch wenden
- Personifikation
- da Glücke lacht
- Rhetorische Frage
- Wer vil vertragen so große Plagen und haben keinen Lohn davohn?