Lied

Clara Müller-Jahnke

1860

Lass ab mit deinen Blicken - nicht können sie fortan mich fester noch umstricken, als sie es schon getan.

Lass ab mit deinen Worten, die schmeichelnd mich betört, - mein Ohr doch allerorten nur deine Stimme hört.

Lass ab mit deinen Küssen, - mein Herz pocht bang und schwer: ich hab dich lieben müssen und seh kein Ende mehr …

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Interpretation

Das Gedicht "Lied" von Clara Müller-Jahnke handelt von einer leidenschaftlichen und überwältigenden Liebe, die der Sprecherin zunehmend zur Last wird. In den ersten beiden Strophen bittet die lyrische Ich-Figur ihren Geliebten, seine Blicken und Worte zu unterlassen, da sie bereits tief in ihr verwurzelt sind und sie nicht mehr loslassen können. Die Blicke und Worte des Geliebten haben sie bereits gefangen genommen und umstrickt, und sie hört überall nur noch seine Stimme. In der dritten Strophe wendet sich die lyrische Ich-Figur auch von den Küssen des Geliebten ab. Ihr Herz pocht bang und schwer, was auf eine innere Zerrissenheit und Angst hindeutet. Obwohl sie ihn lieben musste, sieht sie kein Ende dieser überwältigenden Gefühle. Die Liebe ist zu einer Last geworden, die sie nicht mehr tragen kann. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre der Verzweiflung und des Ausgeliefertseins. Die lyrische Ich-Figur fühlt sich von der Liebe regelrecht erdrückt und sehnt sich nach Befreiung. Die Wiederholung des Satzes "Lass ab" unterstreicht ihren Wunsch nach Distanz und Abstand. Gleichzeitig wird jedoch deutlich, dass sie sich diesen Gefühlen nicht entziehen kann, da sie bereits tief in ihr verwurzelt sind. Das Gedicht beschreibt somit die paradoxe Situation, in der man sich nach Freiheit sehnt, aber gleichzeitig von den eigenen Gefühlen gefangen gehalten wird.

Schlüsselwörter

lass blicken können fortan fester umstricken getan worten

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Stilmittel

Alliteration
fortan fester
Anapher
Lass ab mit deinen Blicken, Lass ab mit deinen Worten, Lass ab mit deinen Küssen
Binnenreim
betört, hört
Metapher
mich fester noch umstricken
Personifikation
mein Herz pocht bang und schwer