Lied

Luise Hensel

1798

Ich bin ein deutsches Mädchen! Es schlägt mein freies, stolzes Herz Voll heil’ger Glut Für’s deutsche Vaterland empor.

Ich bin ein deutsches Mädchen! Verachtend werf’ ich Modetand Und schnöden Witz Und eit’len Glanz und Flitter hin.

Ich bin ein deutsches Mädchen! Mein ganzer Stolz ist’s Vaterland; Ein Eichenzweig Ein Veilchenkranz mein ganzer Schmuck.

Ich bin ein deutsches Mädchen! Ich siegte kühn den schweren Sieg, Den Sieg der Pflicht, Den nur ein deutsches Mädchen siegt.

Ich bin ein deutsches Mädchen! Mein Arm ist kräftig, wie mein Muth, Gern weiht’ ich ihn Dem Kampfe für das Vaterland!

Gern kämpft’ ich für die Freiheit; Doch ich bin Weib und mein Beruf Ist tödten nicht, Nicht sterben für das Vaterland.

Ich bin ein deutsches Mädchen! Ich seh’ mit hohem Stolz im Blick Zum blut’gen Kampf Den edeln, theuern Bruder ziehn.

Ich bin ein deutsches Mädchen! Verachtend blick’ ich jeden Fant Und Süßling, dich Und zürnend jeden Schmeichler an;

Ich kann sie nimmer hassen, Die Knaben ohne Kopf und Herz; Sie sind zu klein, Zu arm, zu schwach für meinen Haß.

Ich bin ein deutsches Mädchen! Glück zu, erhab’nes Vaterland! Bald bist du frei Durch deiner Streiter kräft’gen Arm!

Ich bin ein deutsches Mädchen! Wie glüht die Wange mir, wie wallt Mein Herz empor, Daß ich ein deutsches Mädchen bin.

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Illustration zu Lied

Interpretation

Das Gedicht "Lied" von Luise Hensel handelt von der patriotischen Begeisterung eines deutschen Mädchens für ihr Vaterland. Die Protagonistin betont mehrfach, dass sie ein deutsches Mädchen ist und stellt dies als zentralen Aspekt ihrer Identität dar. Sie zeigt eine tiefe Verbundenheit und Liebe zu Deutschland. Die Sprecherin des Gedichts lehnt oberflächlichen Modetrend und Eitelkeit ab und definiert ihren Stolz über das Vaterland. Sie beschreibt sich selbst als mutig und stark, bereit, für die Freiheit und das Vaterland zu kämpfen. Gleichzeitig betont sie aber auch ihre Rolle als Frau, die nicht töten oder sterben soll. Das Gedicht endet mit einem Ausdruck der Hoffnung auf die baldige Freiheit des Vaterlandes und der Freude der Sprecherin darüber, ein deutsches Mädchen zu sein. Es vermittelt eine starke nationalistische und patriotische Stimmung, die typisch für die Zeit der deutschen Romantik war.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Antithese
Der Gegensatz zwischen 'Glück zu, erhab'nes Vaterland!' und 'Bald bist du frei Durch deiner Streiter kräft'gen Arm!' zeigt die Hoffnung auf Freiheit und den Wunsch nach Glück für das Vaterland.
Bildsprache
Die Beschreibung der 'blut'gen Kampf' und des 'edeln, theuern Bruder' schafft ein lebhaftes Bild des Kampfes und der Brüderlichkeit.
Ironie
Die Aussage 'Sie sind zu klein, Zu arm, zu schwach für meinen Haß' ist ironisch, da sie die Verachtung für die 'Knaben ohne Kopf und Herz' ausdrückt, indem sie ihnen die Fähigkeit abspricht, Hass zu verdienen.
Kontrast
Der Kontrast zwischen 'Modetand' und 'deutschem Vaterland' hebt die Ablehnung der Sprecherin gegenüber Oberflächlichkeit und ihre Verbundenheit mit ihrem Land hervor.
Metapher
Der 'Eichenzweig' und der 'Veilchenkranz' sind Metaphern für die Einfachheit und Reinheit, die die Sprecherin als ihren Schmuck betrachtet.