Lied
1658Kann ich denn an diesem Ort′ Auf des schönen Hügels Spitzen, Wo der ungestüme Nord Kaum mich lässet sitzen, Lauter nichts beständigs sehn? Muß es gehn Schneller als die Blitzen?
Ach, wo bleibt das edle Laub Dieser hocherhabnen Eichen? Wird es nicht der Winde Raub, Welchen es muß weichen? Muß nicht auch der Gärten Zier Sterben schier Und von hinnen schleichen?
Kann die Flut nicht stille stehn? Muß sie hin und wider schweben? Ach, was wird denn wol geschehn Unserm schwachen Leben! Seht, die flügelschnelle Zeit Wil bereit Uns ein Grabmal geben.
Dieser Herbst der lehret mich, Daß auf Erden nichts zu finden, Das nicht durch den Todesstich Müsse bald verschwinden; Alles fleugt wie leichtes Heu, Ja wie Spreu Für den starken Winden.
Nun, Parnassus, gute Nacht! Es ist aus mit meinem Spielen. Hab′ ich Vers′ auf dir gemacht, Die der Welt gefielen, Fort nicht mehr; ich wil in Ruh′ Immerzu Nach dem Himmel zielen!
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Interpretation
Das Gedicht "Lied" von Johann Rist thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens und der Natur. Der Sprecher betrachtet die Vergänglichkeit der Blätter an den Bäumen, der Schönheit der Gärten und der Flut des Wassers. Er erkennt, dass alles vergänglich ist und dass auch sein eigenes Leben nur von kurzer Dauer ist. Der Herbst wird als Symbol für den Tod und das Ende des Lebens verwendet. Der Sprecher reflektiert über die Vergänglichkeit der Schöpfung und erkennt, dass nichts auf Erden von Dauer ist. Alles wird vom Tod berührt und muss bald verschwinden. Das Leben wird mit leichtem Heu oder Spreu verglichen, das vom starken Wind verweht wird. Der Sprecher akzeptiert die Vergänglichkeit und beschließt, sich von den weltlichen Dingen zu verabschieden. Am Ende des Gedichts verabschiedet sich der Sprecher von Parnass, dem Berg der Dichtkunst, und erklärt, dass er seine spielerische Beschäftigung mit Versen beendet. Er möchte in Ruhe und Frieden nach dem Himmel streben, was auf eine spirituelle Ausrichtung und das Streben nach dem Ewigen hindeutet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Kann ich denn an diesem Ort′ Auf des schönen Hügels Spitzen, Wo der ungestüme Nord Kaum mich lässet sitzen,
- Metapher
- Hab′ ich Vers′ auf dir gemacht, Die der Welt gefielen,
- Personifikation
- Seht, die flügelschnelle Zeit Wil bereit Uns ein Grabmal geben.
- Vergleich
- Alles fleugt wie leichtes Heu, Ja wie Spreu Für den starken Winden.