Lied
1765Süße Stille, meines Herzens Frieden, Ach wohin, wohin bist du entfloh′n? Bist auf immer du von mir geschieden, Schwangst in ferne Himmel du dich schon?
Steig′ empor aus dunkeln Schattenthalen, Von dem grünen Wipfel sink herab! Lind′re meine tiefen Seelenqualen, Oder senke mich ins frühe Grab!
Hier an dieser tiefversenkten Welle Fühl′ ich deines Athems leises Weh′n; Hier an dieser kühlen Schattenstelle, Trauter Freund, werd′ ich dich wiederseh′n!
Ach du kömmst - durch leises Blattgekräusel Folg′ ich deiner leichtverwehten Spur - Und mir tönts im luftigen Gesäusel: »Suche mich im Schooße der Natur!«
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Interpretation
Das Gedicht "Lied" von Friederike Sophie Christiane Brun handelt von der Suche nach innerer Ruhe und Frieden. Die Sprecherin sehnt sich nach der "süßen Stille", die ihr Herz einst erfüllte, doch die nun verschwunden zu sein scheint. Sie fragt sich, ob diese Stille für immer von ihr geschieden ist und in ferne Himmel entschwunden. Die zweite Strophe zeigt die Verzweiflung der Sprecherin, die nach der verlorenen Stille ruft. Sie bittet sie, aus den dunklen Schatten zu steigen und herabzusinken, um ihre tiefen seelischen Qualen zu lindern. Sollte dies nicht geschehen, wünscht sie sich, ins frühe Grab gesenkt zu werden. Die dritte Strophe lässt jedoch Hoffnung aufkeimen. An einer tiefversunkenen Welle und einer kühlen Schattenstelle glaubt die Sprecherin, den Atem der Stille zu spüren und hofft, ihren "trauten Freund" wiederzusehen. In der letzten Strophe kehrt die Stille tatsächlich zurück. Die Sprecherin folgt ihrer leichten Spur durch das Rascheln der Blätter und hört im Lüftchen eine leise Stimme, die ihr rät, die Stille im Schoß der Natur zu suchen. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass wahre innere Ruhe und Frieden in der Natur gefunden werden können.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Süße Stille, meines Herzens Frieden, Ach wohin, wohin bist du entfloh′n?
- Apostroph
- Oder senke mich ins frühe Grab!
- Personifikation
- Bist auf immer du von mir geschieden, Schwangst in ferne Himmel du dich schon?
- Symbolik
- Hier an dieser kühlen Schattenstelle