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Liebesweh

Von

Zähre rieselt mir um Zähre
in des Betts zerwühltes Laken.
Bange Angstgedanken haken
sich in meiner Seele Schwere.
Schmerzgekrümmt sind meine Beine;
traurig triefend hängt der Bart
von den Tränen, die ich weine –
und die Nase trieft apart…
Ach, es ist der Traum der Liebe,
den ich durch die Seele siebe.
Ach, es ist der Liebe Weh,
die mich zwickt vom Kopf zum Zeh. –
Armes Herz! Die Träume wittern
fernen Trost. Ich spann′ die Ohren –
und durch meiner Seele Zittern,
fernherflüsternd, traumverloren,
murmelt ein geliebter Mund:
Schlapper Hund!

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Gedicht: Liebesweh von Erich Kurt Mühsam

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Liebesweh“ von Erich Mühsam ist eine satirische Darstellung des Leidens, das durch unerwiderte oder enttäuschte Liebe verursacht wird. Der Titel selbst, der sowohl die körperlichen als auch die seelischen Aspekte des Schmerzes andeutet, gibt den Ton für das gesamte Gedicht vor. Mühsam entlarvt hier die Klischees romantischer Schmerz, indem er die übertriebenen Gefühle und das Selbstmitleid, die oft mit Liebeskummer einhergehen, in eine komische, fast lächerliche Form bringt.

Das Gedicht beginnt mit Bildern des physischen Unbehagens: Tränen, zerwühlte Bettlaken, schmerzgekrümmte Beine und ein nasser Bart. Diese Beschreibungen sind übertrieben und wecken im Leser eher ein Gefühl des Amüsements als des Mitleids. Der Reim „Zähre – Schwere – Beine – weine“ verstärkt diesen Effekt, da er die Ernsthaftigkeit des Themas durch seine scheinbare Einfachheit und den fast kindlichen Klang untergräbt. Die humorvolle Pointe, die „apart“ triefende Nase, setzt dem Ganzen die Krone auf und deutet auf die Selbstverliebtheit des lyrischen Ichs hin.

Der zweite Teil des Gedichts enthüllt die Ursache dieses Leidens: der Traum der Liebe. Die Zeilen „Ach, es ist der Traum der Liebe, / den ich durch die Seele siebe. / Ach, es ist der Liebe Weh, / die mich zwickt vom Kopf zum Zeh“ wiederholen das zentrale Thema des Gedichts: die allumfassende Qual der Liebe. Doch auch hier wird die Romantik durch die humorvolle Übertreibung der körperlichen Symptome relativiert. Das lyrische Ich scheint sich in seinem Schmerz zu suhlen, was die Satire verstärkt.

Die abschließende Pointe des Gedichts, das geflüsterte „Schlapper Hund!“ von einem geliebten Mund im Traum, ist der Clou, der die Satire vollendet. Die Erniedrigung durch die abfällige Bezeichnung, die durch die ferne, traumhafte Entfernung noch verstärkt wird, entlarvt das selbstmitleidige Gehabe des lyrischen Ichs. Mühsam macht sich über die übertriebenen Gefühle des Liebeskummers lustig, indem er das romantische Ideal mit einem überraschenden, ernüchternden und komischen Ende konfrontiert. Der Leser wird dazu gebracht, das Leid des Sprechers mit einer Mischung aus Spott und Verständnis zu betrachten.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.