Liebesgruß
1888Dein dunkles Auge hat mich angelacht, So wie die zaubervollste Frühlingsnacht.
In deinem Antlitz eine Helle lag, So wie im allerschönsten Frühlingstag.
Dein langes Haar umschlang das stille Haupt, Als war von Blumenkränzen es umlaubt,
Und deines Wortes seelenvoller Laut, Der machte bald mich ganz mit dir vertraut.
Doch was mein Herz so ernst, so tief erfaßt, Das ist, daß du mich gleich verstanden hast.
Daß du es gleich an meiner Glut erkannt, Daß ich für dich in wahrer Lieb entbrannt;
Daß du aus längstgehörtem Wortgewühl Erkannt das edle, reinere Gefühl,
Das nun als Rose mir das Leben schmückt, Von deiner Glut zu Glanz und Duft entzückt.
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Interpretation
Das Gedicht "Liebesgruß" von Hermann Rollett beschreibt die tiefe emotionale Wirkung, die ein Blick und eine Begegnung mit einer geliebten Person auf den lyrischen Ich ausüben. In den ersten Strophen wird die Schönheit der Angebeteten mit natürlichen Elementen verglichen: Ihr dunkles Auge erinnert an eine "zaubervolle Frühlingsnacht", ihr Antlitz strahlt wie ein sonniger Frühlingstag, und ihr Haar umschlingt ihr Haupt wie ein Blumenkranz. Diese Vergleiche verleihen der Geliebten eine fast überirdische, idealisierte Schönheit und schaffen eine romantische, traumhafte Atmosphäre. In den mittleren Strophen wird die emotionale Verbindung zwischen den beiden Personen vertieft. Die Worte der Geliebten werden als "seelenvoll" beschrieben, die das lyrische Ich mit ihr vertraut machen. Es entsteht ein Gefühl der inneren Verbundenheit und des Verstehens. Die entscheidende Erkenntnis des lyrischen Ichs ist jedoch, dass die Geliebte seine Gefühle sofort erfasst und verstanden hat. Dieses gegenseitige Verstehen wird als besonders tief und ernst empfunden und bildet den Kern der emotionalen Erfahrung. Im letzten Teil des Gedichts kulminiert die emotionale Intensität in der Erkenntnis der wahren Liebe. Die Geliebte erkennt die "edle, reinere Gefühle" hinter den Worten des lyrischen Ichs und versteht, dass seine Liebe aufrichtig und tief ist. Diese Liebe wird mit einer Rose verglichen, die das Leben des lyrischen Ichs schmückt und durch die "Glut" der Geliebten zu "Glanz und Duft" entzückt wird. Das Gedicht endet mit einer optimistischen und erfüllten Stimmung, in der die Liebe als etwas Schönes und Bereicherndes dargestellt wird, das das Leben des lyrischen Ichs positiv verändert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Von deiner Glut zu Glanz und Duft entzückt.
- Metapher
- Das nun als Rose mir das Leben schmückt.
- Personifikation
- Dein langes Haar umschlang das stille Haupt.
- Vergleich
- So wie im allerschönsten Frühlingstag.