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Liebesgroßmuth

Von

Fragen möcht′ ich dich mit süßem Bangen,
Wie sich deine Lieb′ zu mir verloren?
Nach dem Höchsten durftest kühn du langen
Und statt seiner hast du mich erkoren!

O ich ahne, was dich an mich bindet:
In den Liebesketten, die dich halten,
Sieht mein Auge und mein Herz empfindet
Deiner Großmuth königliches Walten.

Weil von Sturmesgrimm und Wetterstrahle
All mein Sein versengt, versehrt, verschüttet,
Hast du auf das blüthenlose, fahle,
Deiner Seele Frühlingshort geschüttet.

Weil du mich gebeugt, entweiht vom Leben
In der dunkeln Menge aufgefunden,
Hast du, mich zu dir emporzuheben,
Lichte Kronen um mein Haupt gewunden.

Zu dem Wesen wolltest du dich wenden,
Dem versagt blieb jede Glückesgabe,
Daß es reich sei nur durch deine Spenden,
Daß es dir allein zu danken habe.

Daß es, im Bewußtsein dieses Bundes
Wie die Opferflamme liebentbrenne
Daß es leb′ vom Hauche deines Mundes,
Daß es dein sei, wie ich dein mich nenne.

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Gedicht: Liebesgroßmuth von Betty Paoli

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Liebesgroßmuth“ von Betty Paoli handelt von der tiefen Dankbarkeit und Bewunderung einer Person für die bedingungslose Liebe und Großzügigkeit eines anderen Menschen. Es ist ein Loblied auf die erhebende Kraft der Liebe, die in der Lage ist, Hoffnung und Wert in einem von Unglück und Entbehrung gezeichneten Leben zu schenken. Die Ich-Erzählerin stellt Fragen nach dem Ursprung dieser Liebe und reflektiert über ihre eigene Wertlosigkeit, die durch die liebende Zuwendung des Anderen überwunden wird.

Die zentralen Themen des Gedichts sind Selbstlosigkeit, Erhebung und die transformative Wirkung der Liebe. Die Erzählerin sieht in der Großmut des anderen eine königliche Geste, die sie aus ihrem Elend befreit. Sie beschreibt sich selbst als von „Sturmesgrimm“ und „Wetterstrahle“ versehrt und gezeichnet, was auf eine schwere Lebenslast oder erlittene Traumata hindeutet. Der Geliebte wird zum Retter, der ihr einen „Frühlingshort“ schenkt und sie mit „Lichten Kronen“ schmückt. Dies symbolisiert die Wiederherstellung von Würde und die Hoffnung auf ein neues Leben.

Die Sprache des Gedichts ist pathetisch und feierlich, durchzogen von Metaphern und Vergleichen, die die Erhabenheit der Liebe hervorheben. Wörter wie „kühn“, „königliches Walten“ und „Lichte Kronen“ verleihen dem Gedicht eine majestätische Atmosphäre. Die wiederkehrenden Fragen der Erzählerin spiegeln ihre tiefe Verwunderung und ihre Dankbarkeit wider, während sie gleichzeitig ihre eigene Unwürdigkeit betont. Die Verwendung des Konjunktivs in den letzten Strophen, wie etwa „daß es…liebentbrenne“ und „daß es…dein sei“, unterstreicht den Wunsch nach ewiger Bindung und Hingabe.

Das Gedicht kulminiert in dem Wunsch nach vollkommener Hingabe und gegenseitiger Abhängigkeit. Die Erzählerin möchte ganz und gar dem Geliebten gehören, sich von ihm ernähren und mit ihm verschmelzen, wie eine Opferflamme. Dies zeugt von einer tiefen Sehnsucht nach Vereinigung und der Hoffnung, durch die Liebe des anderen Trost, Sinn und Erfüllung zu finden. Die Botschaft des Gedichts ist die transformative Kraft der bedingungslosen Liebe, die selbst aus dem tiefsten Unglück neues Leben und Hoffnung gebären kann.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.