Liebesgroßmuth

Betty Paoli

1845

Fragen möcht′ ich dich mit süßem Bangen, Wie sich deine Lieb′ zu mir verloren? Nach dem Höchsten durftest kühn du langen Und statt seiner hast du mich erkoren!

O ich ahne, was dich an mich bindet: In den Liebesketten, die dich halten, Sieht mein Auge und mein Herz empfindet Deiner Großmuth königliches Walten.

Weil von Sturmesgrimm und Wetterstrahle All mein Sein versengt, versehrt, verschüttet, Hast du auf das blüthenlose, fahle, Deiner Seele Frühlingshort geschüttet.

Weil du mich gebeugt, entweiht vom Leben In der dunkeln Menge aufgefunden, Hast du, mich zu dir emporzuheben, Lichte Kronen um mein Haupt gewunden.

Zu dem Wesen wolltest du dich wenden, Dem versagt blieb jede Glückesgabe, Daß es reich sei nur durch deine Spenden, Daß es dir allein zu danken habe.

Daß es, im Bewußtsein dieses Bundes Wie die Opferflamme liebentbrenne Daß es leb′ vom Hauche deines Mundes, Daß es dein sei, wie ich dein mich nenne.

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Illustration zu Liebesgroßmuth

Interpretation

Das Gedicht "Liebesgroßmuth" von Betty Paoli beschreibt eine tiefe und selbstlose Liebe, die der Geliebte dem lyrischen Ich entgegenbringt. Die erste Strophe fragt nach der Natur dieser Liebe und erkennt, dass der Geliebte das Höchste hätte erreichen können, sich aber stattdessen für das lyrische Ich entschieden hat. Es ist eine Liebe, die über das Gewöhnliche hinausgeht und dem Geliebten Mut und Mutlosigkeit abverlangt. Die zweite Strophe deutet an, dass das lyrische Ich die Motive des Geliebten durchschaut und erkennt, dass dessen Großmut die treibende Kraft hinter dieser Liebe ist. Das lyrische Ich fühlt sich von den "Liebesketten" gefangen, die der Geliebte gelegt hat, aber diese Ketten sind nicht als Zwang zu verstehen, sondern als Ausdruck der königlichen Herrschaft der Liebe. Es ist eine Liebe, die das lyrische Ich beschützt und erhebt, trotz seiner eigenen Verletzlichkeit und Schwäche. Die dritte und vierte Strophe beschreiben die Tiefe der Liebe und die Opfer, die der Geliebte für das lyrische Ich erbringt. Der Geliebte hat das lyrische Ich, das von "Sturmesgrimm und Wetterstrahle" gezeichnet ist, in seinen "Frühlingshort" aufgenommen und ihm einen neuen Lebenssinn gegeben. Er hat das lyrische Ich aus der "dunkeln Menge" gehoben und ihm eine "lichte Krone" um das Haupt gewunden. Das lyrische Ich ist nun reich an der Liebe des Geliebten und lebt nur noch für ihn, wie eine "Opferflamme", die von seinem Atem genährt wird.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Weil von Sturmesgrimm und Wetterstrahle
Frage
Fragen möcht′ ich dich mit süßem Bangen, Wie sich deine Lieb′ zu mir verloren?
Hyperbel
Daß es reich sei nur durch deine Spenden
Metapher
In den Liebesketten, die dich halten
Personifikation
Daß es, im Bewußtsein dieses Bundes Wie die Opferflamme liebentbrenne
Vergleich
Wie sich deine Lieb′ zu mir verloren?