Liebe wider Willen
1749Ich weiß es wohl und spotte Viel: Ihr Mädchen seid voll Wankelmut! Ihr liebet, wie im Kartenspiel, Den David und den Alexander; Sie sind ja Forcen miteinander, Und die sind miteinander gut.
Doch bin ich elend wie zuvor, Mit misanthropischem Gesicht, Der Liebe Sclav, ein armer Thor! Wie gern wär′ ich sie los die Schmerzen, Allein es sitzt zu tief im Herzen, Und Spott vertreibt die Liebe nicht.
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Interpretation
Das Gedicht "Liebe wider Willen" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der unerwiderlichen Liebe des lyrischen Ichs zu einer Frau, die seine Gefühle nicht erwidert. Das Ich erkennt die Wankelmütigkeit der Frauen, die sich wie beim Kartenspiel zwischen verschiedenen Männern entscheiden. Es vergleicht die Angebetete mit den Spielkarten "David" und "Alexander", die gut miteinander harmonieren, aber nicht mit dem Ich. Das Ich fühlt sich elend und verachtet die Liebe, die es als Sklaverei und Torheit empfindet. Es wünscht sich, die Schmerzen der unerfüllten Liebe loszuwerden, aber es ist machtlos gegen die tiefe Verwurzelung der Gefühle im Herzen. Spott und Zynismus können die Liebe nicht vertreiben, sondern verstärken nur das Leiden des Ichs. Das Gedicht verdeutlicht die Tragik der unerwiderten Liebe, die das Ich in einen Zustand der Misanthropie und Verzweiflung versetzt. Es zeigt die Ohnmacht des Menschen gegenüber den Gefühlen, die ihn trotz aller rationalen Einsicht und Abwehrmechanismen beherrschen. Das Ich ist gefangen in seiner Liebe, die es nicht kontrollieren kann und die ihm tiefe Schmerzen bereitet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mit misanthropischem Gesicht
- Hyperbel
- Doch bin ich elend wie zuvor
- Metapher
- Ihr liebet, wie im Kartenspiel, Den David und den Alexander
- Personifikation
- Und Spott vertreibt die Liebe nicht
- Vergleich
- Ihr liebet, wie im Kartenspiel