Liebe und Tod

George Gordon Lord Byron

1788

Ich sah dich an, wir standen dicht am Feind, bereit zu schlagen war ich (für uns zwei gab es nur diese Hoffnung) - so vereint mit dem Geliebten doch, geliebt und frei.

lch sah dich an, als Brandung unsern Bug an Felsen trieb, als nichts als Sturm und Not und Angst war, hieß dich an mich klammern - trug dich wie ein Boot - ob lebend oder tot.

lch sah dich an - dein Aug′ im Fieberglanz, lagst du auf meinem Bett -, fiel auf die Knie, vom Anschaun überwältigt, wollte ganz, ja ganz dort bleiben, stürbest du so früh.

Die Erde bebte, schüttelte das Haus, wie trunken schwankten Menschen und Natur, nach wem späht′ ich da angstvoll suchend aus? Nach dir - nach dir -, um dich zu retten nur.

Als mir die Sinne schwanden, als der Krampf mich hilflos machte, aller Worte bar - an dich - an dich allein - im Todeskampf dacht′ ich - ach! öfter wohl, als heilsam war.

So viel und mehr und doch liebst du mich nicht, und wirst es nie - ich weiß ja: unsern Trieben befiehlt kein Wille, steuert keine Pflicht. So muß ich wild, verkehrt, wahnsinnig lieben.

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Illustration zu Liebe und Tod

Interpretation

Das Gedicht "Liebe und Tod" von George Gordon Lord Byron beschreibt eine intensive und leidenschaftliche Liebe, die eng mit Gefahr, Tod und Opferbereitschaft verbunden ist. Der Sprecher erlebt seine Liebe als etwas Überwältigendes, das ihn in Extremsituationen immer wieder zu der Geliebten zieht. Die erste Strophe setzt den Ton mit einer Szene am Feind, wo der Sprecher bereit ist, für die Geliebte zu kämpfen. Es geht um die Hoffnung, dass sie beide in dieser gefährlichen Situation zusammen sein können, "vereint mit dem Geliebten doch, geliebt und frei." Dies deutet darauf hin, dass die Liebe des Sprechers in Gefahr und Konflikt gedeiht. In den folgenden Strophen werden verschiedene Szenarien beschrieben, in denen der Sprecher die Geliebte in Gefahr sieht und alles tut, um sie zu retten oder bei ihr zu sein. Ob es ein Schiffbruch ist, eine Krankheit oder ein Erdbeben - der Sprecher ist immer bereit, sein Leben für die Geliebte zu riskieren. Die letzte Strophe offenbart jedoch die Tragik dieser einseitigen Liebe. Trotz all seiner Hingabe und Opferbereitschaft wird der Sprecher von der Geliebten nicht erwidert. Er muss "wild, verkehrt, wahnsinnig lieben", weil seine Gefühle nicht erwidert werden.

Schlüsselwörter

sah lch unsern ganz standen dicht feind bereit

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
fiel auf die Knie
Anapher
lch sah dich an, als Brandung unsern Bug an Felsen trieb, als nichts als Sturm und Not und Angst war, hieß dich an mich klammern - trug dich wie ein Boot - ob lebend oder tot.
Antithese
So muß ich wild, verkehrt, wahnsinnig lieben
Enjambement
bereit zu schlagen war ich (für uns zwei gab es nur diese Hoffnung) - so vereint mit dem Geliebten doch, geliebt und frei.
Hyperbel
ja ganz dort bleiben, stürbest du so früh
Klimax
So viel und mehr und doch liebst du mich nicht, und wirst es nie - ich weiß ja: unsern Trieben befiehlt kein Wille, steuert keine Pflicht.
Metapher
trug dich wie ein Boot
Paradox
mit dem Geliebten doch, geliebt und frei
Parallelismus
an dich - an dich allein - im Todeskampf dacht′ ich - ach! öfter wohl, als heilsam war
Personifikation
Die Erde bebte, schüttelte das Haus
Rhetorische Frage
nach wem späht′ ich da angstvoll suchend aus?