Liebe ohne Heimat
1789Meine Liebe, lange wie die Taube Von dem Falken hin und her gescheucht, Wähnte froh, sie hab’ ihr Nest erreicht In den Zweigen einer Götterlaube.
Armes Täubchen! Hart getäuschter Glaube! Herbes Schicksal, dem kein andres gleicht! Ihre Heimat, kaum dem Blick gezeigt, Wurde schnell dem Wetterstrahl zum Raube.
Ach, nun irrt sie wieder hin und her! Zwischen Erd’ und Himmel schwebt die Arme, Sonder Ziel für ihres Flugs Beschwer.
Denn ein Herz, das ihrer sich erbarme, Wo sie noch einmal, wie einst erwarme, Schlägt für sie auf Erden nirgends mehr.
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Interpretation
Das Gedicht "Liebe ohne Heimat" von Gottfried August Bürger thematisiert die Suche nach einem Ort der Geborgenheit und Zugehörigkeit in der Liebe. Die Metapher der Taube, die vom Falken gejagt wird, symbolisiert die Sehnsucht nach einem sicheren Nest, das in den Zweigen einer Götterlaube gefunden zu sein scheint. Doch dieser Ort der Zuflucht erweist sich als trügerisch, da die Heimat der Taube schnell dem Wetterstrahl zum Raube wird und somit zerstört wird. Die zweite Strophe verdeutlicht die bittere Enttäuschung der Taube, die sich in ihrem Glauben getäuscht sah. Das harte Schicksal, dem kein anderes gleicht, lässt die Taube erneut umherirren, ohne Ziel und ohne Hoffnung auf einen Ort, an dem sie sich wieder erwärmen und geborgen fühlen kann. Die Metapher des Herzens, das sich ihrer erbarmen könnte, wird als unrealistisch dargestellt, da ein solches Herz auf Erden nirgends mehr zu finden ist. Die Schlussstrophe unterstreicht die Hoffnungslosigkeit der Situation. Die Taube schwebt zwischen Erde und Himmel, ohne Ziel für ihren Flug. Die Suche nach einem Ort der Geborgenheit und Zugehörigkeit in der Liebe bleibt erfolglos, da ein Herz, das sich ihrer erbarmen und sie erneut erwärmen könnte, auf Erden nicht mehr zu finden ist. Das Gedicht vermittelt somit die tiefe Einsamkeit und Verzweiflung einer Seele, die nach Liebe und Heimat sucht, aber keine findet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Zwischen Erd' und Himmel schwebt die Arme
- Anapher
- Ihre Heimat, kaum dem Blick gezeigt
- Hyperbel
- Herbes Schicksal, dem kein andres gleicht
- Metapher
- Meine Liebe, lange wie die Taube
- Personifikation
- in den Zweigen einer Götterlaube
- Rhetorische Frage
- Wo sie noch einmal, wie einst erwarme
- Vergleich
- Meine Liebe, lange wie die Taube