Liebe in der Fremde
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Jeder nennet froh die Seine, Ich nur stehe hier alleine, Denn was früge wohl die Eine: Wen der Fremdling eben meine? Und so muß ich, wie im Strome dort die Welle, Ungehört verrauschen an des Frühlings Schwelle.
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Wie kühl schweift sichs bei nächtger Stunde, Die Zither treulich in der Hand! Vom Hügel grüß ich in die Runde Den Himmel und das stille Land.
Wie ist da alles so verwandelt, Wo ich so fröhlich war, im Tal. Im Wald wie still! Der Mond nur wandelt Nun durch den hohen Buchensaal.
Der Winzer Jauchzen ist verklungen Und all der bunte Lebenslauf, Die Ströme nur, im Tal geschlungen, Sie blicken manchmal silbern auf.
Und Nachtigallen wie aus Träumen Erwachen oft mit süßem Schall, Erinnernd rührt sich in den Bäumen Ein heimlich Flüstern überall.
Die Freude kann nicht gleich verklingen, Und von des Tages Glanz und Lust Ist so auch mir ein heimlich Singen Geblieben in der tiefsten Brust.
Und fröhlich greif ich in die Saiten, O Mädchen, jenseits überm Fluß, Du lauschest wohl und hörst vom weiten Und kennst den Sänger an dem Gruß!
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Über die beglänzten Gipfel Fernher kommt es wie ein Grüßen, Flüsternd neigen sich die Wipfel, Als ob sie sich wollten küssen.
Ist er doch so schön und milde! Stimmen gehen durch die Nacht, Singen heimlich von dem Bilde - Ach, ich bin so froh verwacht!
Plaudert nicht so laut, ihr Quellen! Wissen darf es nicht der Morgen! In der Mondnacht linde Wellen Senk ich still mein Glück und Sorgen. -
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Jetzt wandr′ ich erst gern! Am Fenster nun lauschen Die Mädchen, es rauschen Die Brunnen von fern. Aus schimmernden Büschen Ihr Plaudern, so lieb, Erkenn ich dazwischen, Ich höre mein Lieb!
Kind, hüt dich! Bei Nacht Pflegt Amor zu wandern, Ruft leise die andern, Da schreiten erwacht Die Götter zur Halle Ins Freie hinaus, Es bringt sie dir alle Der Dichter ins Haus.
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Interpretation
Das Gedicht "Liebe in der Fremde" von Joseph von Eichendorff handelt von einem einsamen Wanderer, der in der Fremde seine Liebe und Sehnsucht durch Musik und Natur zum Ausdruck bringt. In der ersten Strophe beschreibt der Sprecher seine Isolation und das Gefühl, ungehört zu verrauschen, wie eine Welle im Strom. In der zweiten Strophe spielt er Zither und grüßt den Himmel und das stille Land, während er sich an vergangene Freuden erinnert. Die dritte Strophe ist von einer romantischen Stimmung durchdrungen, in der der Sprecher seine heimliche Liebe in der Mondnacht versenkt. In der vierten Strophe lauscht der Sprecher den Mädchen am Fenster und hört seine Liebste, während er vor den Gefahren der Nacht warnt, in der Amor wandert und die Götter erwachen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ungehört verrauschen an des Frühlings Schwelle
- Bildsprache
- Wie kühl schweift sichs bei nächtger Stunde
- Hyperbel
- Ich bin so froh verwacht
- Metapher
- Ich nur stehe hier alleine
- Personifikation
- Wo ich so fröhlich war, im Tal. Im Wald wie still! Der Mond nur wandelt
- Symbolik
- Der Dichter ins Haus