Liebe II

Ernst von Feuchtersleben

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Sonette müssen, seit Petrarca sang, Vom holden Mithrasdienst der Liebe klingen; Und könnte Jeder wie Petrarca singen, Nie endete der wonnevollste Klang.

Allein, wie manches Herz, im schönen Drang, Regt, ach, vergebens allzuzarte Schwingen; Darf auch das Wort in jene Räume dringen, In die ein liebendes Gemüth sich schwang?

So weih′ ich denn, statt vieler, dieß Gedicht, Mit frommer Scheu den Liebenden im Stillen, Daß sich die laute Welt an sie erinnre;

Und doch! ich irre! sie bedürfen′s nicht, Und ich vermag′s nicht bei dem reinsten Willen, - Denn nie zum Aeußern wird das wahrhaft Innre.

Mich hat ein schreckenvoller Traum gepeinigt: Ich sah dich zwischen eines Sarges Wänden, Mit kreuzweis auf die Brust gelegten Händen, Den schönen Leib, zu früh! dem Staub vereinigt.

Doch dieß Gesicht hat mein Erblühn beschleunigt; Was keine Macht der Welt vermag zu wenden, Ward mir zum Bild, mein Innres zu vollenden; Ich fühle mich erschüttert und gereinigt.

Im Sturm der Nächte, in des Mittags Scheine, - Hab′ ich′s vor mir, das Trauerbild im Schreine, - Es hat mich eingeweiht zum Sohn der Schmerzen.

Mich dünkt, als ob mich nichts mehr rühren würde, Denn jenen fürchterlichen Traum im Herzen, Trag′ ich, wie leicht! des Lebens schwerste Bürde.

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Illustration zu Liebe II

Interpretation

Das Gedicht "Liebe II" von Ernst von Feuchtersleben besteht aus zwei Sonetten, die sich mit den Themen Liebe, Sehnsucht und Sterblichkeit auseinandersetzen. Das erste Sonett reflektiert über die Schwierigkeit, die tiefe und zarte Natur der Liebe in Worte zu fassen. Feuchtersleben bezieht sich auf Petrarca, den berühmten italienischen Dichter, der für seine Liebesgedichte bekannt ist. Er stellt die Frage, ob es überhaupt möglich ist, die Schwingungen eines Herzens, das von der Liebe erfüllt ist, in Worte zu fassen. Der Dichter widmet sein Gedicht den stillen Liebenden, in der Hoffnung, dass die laute Welt an sie denkt. Doch er erkennt, dass die wahrhaft innere Natur der Liebe nie vollständig nach außen getragen werden kann. Das zweite Sonett beschreibt einen schrecklichen Traum, in dem der Dichter die geliebte Person in einem Sarg sieht. Dieser Traum hat eine tiefgreifende Wirkung auf den Dichter, da er sein "Erblühen" beschleunigt und sein Inneres vollendet. Der Traum hat den Dichter zum "Sohn der Schmerzen" gemacht und ihm geholfen, die schwerste Bürde des Lebens zu tragen. Das Trauerbild ist zu einem Schreiner geworden, den der Dichter in verschiedenen Situationen vor sich sieht. Der Dichter fühlt sich durch diesen Traum erschüttert und gereinigt und glaubt, dass ihn nichts mehr berühren kann, da er den fürchterlichen Traum im Herzen trägt.

Schlüsselwörter

petrarca nie schönen dieß welt vermag traum sonette

Wortwolke

Wortwolke zu Liebe II

Stilmittel

Alliteration
wonnevollste Klang
Bildsprache
Ich sah dich zwischen eines Sarges Wänden
Hyperbel
Nie endete der wonnevollste Klang
Metapher
des Lebens schwerste Bürde
Personifikation
Darf auch das Wort in jene Räume dringen
Rhetorische Frage
Daß sich die laute Welt an sie erinnre