Liebe brauchet nicht Verstand
1893Vor Zeiten reißte der Verstand Nach Amathunt, wo er die Königin Cythere, Den blinden Cypripor, und viele Nymphen fand; Bey denen er, so gern als ich, geblieben wäre. Er bot sich allen an, that artig und galant. Wer mich zum Führer wählt, wird, sprach er, niemahls gleiten: Ich führ ihn immer an der Hand! –
Doch Cypris lacht′ und sprach: hier herrscht, seit alten Zeiten, Frau Thorheit, und muß mich und meine Kinder leiten; Besonders meinen Sohn, wann er den Bogen spannt! Die abzuschaffen macht zu viel Beschwerlichkeiten; Drum wandert immerhin zurück in euer Land, Mein allerliebster Herr Pedant; Dann Liebe leidet nicht Verstand.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Liebe brauchet nicht Verstand" von Johann Nikolaus Götz erzählt eine allegorische Geschichte, in der der Verstand versucht, die Welt der Liebe zu betreten und zu regieren. Der Verstand reist nach Amathunt, wo er die Göttin der Liebe, Cythere, den blinden Cupido und viele Nymphen findet. Er bietet sich an, sie zu führen und verspricht, niemals zu straucheln, wenn er zum Führer gewählt wird. Jedoch lacht die Göttin Cypris über den Vorschlag des Verstandes und erklärt, dass seit alten Zeiten die Torheit herrscht und sie und ihre Kinder, insbesondere ihren Sohn Cupido, leitet. Sie weist darauf hin, dass es zu viele Schwierigkeiten bereiten würde, die Torheit abzuschaffen. Stattdessen bittet sie den Verstand, in sein Land zurückzukehren und bezeichnet ihn liebevoll als "Pedant". Die Göttin betont, dass die Liebe den Verstand nicht erträgt. Das Gedicht verdeutlicht die Idee, dass die Liebe irrational und nicht von Verstand oder Vernunft geleitet ist. Es wird deutlich, dass die Liebe von der Torheit und dem Gefühl geleitet wird, anstatt von rationalem Denken. Der Verstand wird als unpassend für die Welt der Liebe dargestellt und zurückgewiesen. Das Gedicht verdeutlicht die Vorstellung, dass die Liebe eine eigene Sphäre ist, in der der Verstand keine Rolle spielt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Cypris lacht′ und sprach
- Hyperbel
- Die abzuschaffen macht zu viel Beschwerlichkeiten
- Ironie
- Mein allerliebster Herr Pedant
- Metapher
- Liebe brauchet nicht Verstand
- Personifikation
- Vor Zeiten reißte der Verstand