Liebe

Max von Schenkendorf

1862

O Liebe, du Morgentraum, Geboren kaum, Und weise wie die Ewigkeit, Im Greisenhaar Noch mild und klar, Noch fühlend und spielend Wie Kindlein in der Weihnachtszeit.

O Liebe, du Zauberwort, Klingst fort und fort Wie Wellenschlag der Ewigkeit. Du Melodie Und Harmonie Von Wonnen, zerronnen In Tönen fließet Raum und Zeit.

O Liebe, von dir empfing Der Schmetterling Des Blütenlebens zarten Keim. Ha Wonnepreis! Im Blumenkreis Zn nippen mit Lippen Die Küsse gleich dem Honigseim.

O Liebe, du Lebensquell, Du Bächlein hell, Verbreitest Kühlung um mich her, O labe mich, Ich sink′ in dich So selig, so wählig Wie Fischlein in dem Muttermeer.

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Illustration zu Liebe

Interpretation

Das Gedicht "Liebe" von Max von Schenkendorf ist eine lyrische Hommage an die Liebe in all ihren Facetten. Der Dichter vergleicht die Liebe mit einem Morgentraum, der zwar flüchtig ist, aber zugleich eine ewige Weisheit besitzt. Er beschreibt sie als etwas Milderes und Klareres, das auch im Alter noch kindliche Züge trägt, ähnlich wie die Freude und Unschuld der Kinder in der Weihnachtszeit. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Liebe als ein magisches Wort dargestellt, das wie das Echo der Ewigkeit klingt. Sie wird als Melodie und Harmonie beschrieben, die die Zeit und den Raum transzendiert und in Tönen von Glück und Vergänglichkeit fließt. Der Dichter betont die zeitlose und universelle Natur der Liebe, die über alle Grenzen hinausgeht. Im dritten Teil des Gedichts wird die Liebe als Quelle des Lebens und der Inspiration dargestellt. Der Dichter vergleicht sie mit dem Schmetterling, der aus dem Blütenleben hervorgeht, und preist die süßen Küsse, die wie Honigseim auf den Lippen schmecken. Die Liebe wird als ein Kreis von Blumen beschrieben, in dem man sich verlieren und genießen kann. Im letzten Teil des Gedichts wird die Liebe als ein helles Bächlein dargestellt, das den Dichter mit seiner Kühle umgibt und ihn in sich aufnimmt. Der Dichter sehnt sich danach, in der Liebe zu versinken und sich ihr hinzugeben, wie ein Fisch im Muttermeer. Die Liebe wird als ein Ort der Geborgenheit und des Glücks beschrieben, an dem man sich vollkommen aufgehoben fühlt.

Schlüsselwörter

liebe ewigkeit fort morgentraum geboren kaum weise greisenhaar

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Stilmittel

Anapher
[O Liebe, du Morgentraum O Liebe, du Zauberwort O Liebe, von dir empfing O Liebe, du Lebensquell]
Hyperbel
[Im Greisenhaar Noch fühlend und spielend Von Wonnen, zerronnen In Tönen fließet Raum und Zeit]
Personifikation
[Und weise wie die Ewigkeit Noch mild und klar Noch fühlend und spielend Klingst fort und fort Verbreitest Kühlung um mich her]
Symbolik
[O Liebe, du Morgentraum O Liebe, du Zauberwort O Liebe, von dir empfing O Liebe, du Lebensquell]
Vergleich
[Wie Wellenschlag der Ewigkeit Wie Kindlein in der Weihnachtszeit In Tönen fließet Raum und Zeit Des Blütenlebens zarten Keim Die Küsse gleich dem Honigseim So selig, so wählig Wie Fischlein in dem Muttermeer]