Liebe
1804O reiche Armuth! Gebend, seliges Empfangen! In Zagheit Muth! in Freiheit doch gefangen. In Stummheit Sprache, Schüchtern bei Tage, Siegend mit zaghaftem Bangen.
Lebendiger Tod, im Einen sel′ges Leben Schwelgend in Noth, im Widerstand ergeben, Genießend schmachten, Nie satt betrachten Leben im Traum und doppelt Leben.
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Interpretation
Das Gedicht "Liebe" von Karoline von Günderode ist ein kunstvoller Ausdruck der paradoxen Natur der Liebe. Die Autorin verwendet eine Reihe von Oxymora, um die widersprüchlichen und komplexen Gefühle zu beschreiben, die Liebe hervorrufen kann. Die Liebe wird als "reiche Armuth" bezeichnet, was darauf hindeutet, dass sie zwar Reichtum in Form von emotionaler Erfüllung bringen kann, aber auch Armut in Bezug auf materielle Güter oder Unabhängigkeit bedeuten kann. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Liebe als "lebender Tod" und "seliges Leben" beschrieben, was die Intensität und den manchmal schmerzhaften Charakter der Liebe unterstreicht. Die Autorin deutet an, dass Liebe sowohl Leben als auch Tod bedeuten kann, da sie uns in einen Zustand der Ekstase versetzen kann, aber auch Leid verursachen kann. Die Zeilen "Schwelgend in Noth, im Widerstand ergeben" verdeutlichen, dass die Liebe oft mit Herausforderungen und Schwierigkeiten verbunden ist, aber dass wir uns dennoch ihr hingeben. Im letzten Teil des Gedichts wird die Liebe als ein Zustand des "Genießens" und "Schmachtens" beschrieben, was darauf hindeutet, dass sie sowohl Freude als auch Schmerz bringen kann. Die Zeilen "Nie satt betrachten / Leben im Traum und doppelt Leben" deuten darauf hin, dass die Liebe eine transformative Kraft hat, die uns in eine andere Realität versetzt und unser Leben verdoppelt. Insgesamt ist das Gedicht eine tiefgründige und bewegende Darstellung der Komplexität und Intensität der Liebe.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Gegensatz
- Schwelgend in Noth, im Widerstand ergeben
- Hyperbel
- Nie satt betrachten
- Metapher
- Leben im Traum und doppelt Leben
- Oxymoron
- Lebendiger Tod, im Einen sel′ges Leben
- Paradox
- Genießend schmachten