Liebe
1851Verweile hier, und wiederhole dir′s! Ist′s doch des ewigen Verweilens werth - O könnte man′s lebendig wiederholen! Da wardst du Mensch, als Liebe dich berührte. Als noch die Welt, ein graues Räthselknäuel, In deiner Hand lag, ekel zu entwirren, Die Zukunft, kalt und wüst und farbenlos, Ein Nebelmeer, um deine Brust sich legte: Wie war dir da! wie zog die Seele damals, Mit ihren Wünschen, ihren Kräften allen, Sich in ein selbstgenügsam Nichts zusammen! Du dachtest dir das Leben so. Da traf Der schöpferische Strahl auch deine Mitte: Du wardst gelös′t, und deine Zweige blühten, Und deine Frucht reift Ewigkeiten zu.
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Interpretation
Das Gedicht "Liebe" von Ernst von Feuchtersleben thematisiert die transformative Kraft der Liebe. Es beginnt mit der Aufforderung, innezuhalten und die Bedeutung der Liebe zu wiederholen, da sie des ewigen Verweilens würdig ist. Der Sprecher betont die Einmaligkeit und Unvergänglichkeit der Liebe. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt den Zustand des Menschen vor der Begegnung mit der Liebe. Die Welt wird als graues Rätselknäuel dargestellt, das es zu entwirren gilt. Die Zukunft erscheint kalt, wüst und farblos, wie ein Nebelmeer, das sich um die Brust des Menschen legt. In diesem Zustand zieht sich die Seele mit all ihren Wünschen und Kräften in ein selbstgenügsames Nichts zurück. Der Mensch hat eine pessimistische Vorstellung vom Leben. Im letzten Teil des Gedichts erfolgt die Wende durch den "schöpferischen Strahl", der die Mitte des Menschen trifft. Die Liebe löst den Menschen auf und lässt seine Zweige erblühen. Die Frucht, die aus dieser Liebe erwächst, reift für Ewigkeiten. Die Liebe verleiht dem Leben einen Sinn und lässt den Menschen in einem Zustand des Glücks und der Erfüllung verweilen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Mit ihren Wünschen, ihren Kräften allen
- Bildsprache
- Als noch die Welt, ein graues Räthselknäuel, / In deiner Hand lag, ekel zu entwirren
- Metapher
- Verweile hier, und wiederhole dir's! / Ist's doch des ewigen Verweilens werth
- Personifikation
- Die Zukunft, kalt und wüst und farbenlos, / Ein Nebelmeer, um deine Brust sich legte
- Symbolik
- Der schöpferische Strahl auch deine Mitte