Licht und Schatten
1872Schwarz ihre Brauen, Weiß ihre Brust, Klein mein Vertrauen, Groß doch die Lust.
Schwatzhaft mit Blicken, Schweigend den Zung, Alt das Mißglücken, Wunsch immer jung;
Arm, was ich brachte, Reich meine Lieb; Warm, was ich dachte, Kalt, was ich schrieb.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Licht und Schatten" von Franz Grillparzer beschreibt die Ambivalenz einer Liebesbeziehung, die von Kontrasten und Widersprüchen geprägt ist. Die erste Strophe setzt mit den gegensätzlichen Bildern von schwarzen Brauen und weißer Brust einen visuellen Kontrast, der die innere Zerrissenheit des lyrischen Ichs widerspiegelt. Das geringe Vertrauen steht im krassen Gegensatz zur großen Lust, was auf eine Beziehung hindeutet, die von Zweifeln und intensiven Begierden zugleich geprägt ist. In der zweiten Strophe wird die Kommunikation zwischen den Liebenden als problematisch dargestellt. Die Blicke sind schwatzhaft, doch die Zunge bleibt still, was auf eine Diskrepanz zwischen nonverbaler und verbaler Kommunikation hindeutet. Das "alte Mißglücken" impliziert eine lange Geschichte von Enttäuschungen, während der Wunsch immer jung bleibt und damit die ungebrochene Sehnsucht nach Erfüllung symbolisiert. Die dritte Strophe bringt den materiellen und emotionalen Aspekt der Beziehung zum Ausdruck. Der Sprecher bringt wenig materiellen Reichtum mit, doch seine Liebe ist reich und seine Gedanken warm. Doch was er schriftlich zum Ausdruck bringt, wirkt kalt und distanziert. Diese Kluft zwischen innerem Empfinden und äußerer Darstellung verdeutlicht die Schwierigkeit, wahre Gefühle adäquat zu kommunizieren und die Beziehung auf eine stabile Grundlage zu stellen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Gegensatz
- Warm, was ich dachte, Kalt, was ich schrieb