Letztes Finden

Felix Dörmann

1870

Verlassene Geliebte, schwergekränkte, Noch einmal gib mir freundlich Deine Hand, Die mir Dein großes Herz in Tagen schenkte, Wo Du noch viel zu wenig mich gekannt.

Ein heißes Lieben und ein heißes Leiden Hat unser beider Herzen durchgewühlt, Sekundenlanges Finden, bittres Scheiden, Und Reue dann, von Starrsinn unterkühlt.

Erschienen bist Du mir in stillen Stunden, Wo klar und ruhig floss mein wildes Blut; Ich wähnte damals, dass ich heimgefunden, Und Alles, Alles sei nun endlich gut.

Dir aber ist ein böses Wort entglitten, Ein ungewolltes, doch ein böses Wort; Umsonst war Deiner Augen scheues Bitten, Es peitschte mich aus Deinem Bannkreis fort.

Zerschmettert fallen traulich enge Schranken, In trunknem Toben geht es abgrundwärts; Wie tolle Rosse rasen die Gedanken Und sie zerstampfen Dir und mir das Herz…

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Illustration zu Letztes Finden

Interpretation

Das Gedicht "Letztes Finden" von Felix Dörmann beschreibt das Ende einer leidenschaftlichen, aber turbulenten Beziehung. Der Sprecher wendet sich an seine verlassene Geliebte und bittet sie ein letztes Mal um ihre Hand, die sie ihm in einer Zeit der Unkenntnis geschenkt hat. Die Beziehung war geprägt von intensiver Liebe und Leiden, von kurzen Momenten des Findens und bitterem Abschied, gefolgt von Reue, die durch Starrsinn erstarrt ist. In den stillen Stunden, als der Sprecher sein wildes Blut als ruhig und klar empfand, erschien ihm die Geliebte wie ein Heimkommen. Er glaubte, alles sei nun endlich gut. Doch dann entglitt der Geliebten ein böses, ungewolltes Wort. Trotz ihrer flehenden Augen konnte der Sprecher nicht bleiben und wurde aus ihrem Bannkreis getrieben. Die Grenzen der Beziehung wurden zerschmettert, und der Sprecher stürzte in einen betrunkenen, abgrundtiefen Rausch. Die Gedanken rasen wie verrückte Pferde und zertrampeln die Herzen beider Beteiligten. Das Gedicht vermittelt einen tiefen Schmerz über den Verlust der Liebe und die Zerstörung der Beziehung durch unglückliche Worte und Handlungen.

Schlüsselwörter

herz heißes böses wort verlassene geliebte schwergekränkte einmal

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Stilmittel

Metapher
Und sie zerstampfen Dir und mir das Herz