Letzter Wille
1620So sterben, wie ich ihn einst sterben sah -, den Freund, der Blitze und Blicke göttlich in meine dunkle Jugend warf: - mutwillig und tief, in der Schlacht ein Tänzer -,
unter Kriegern der Heiterste, unter Siegern der Schwerste, auf seinem Schicksal ein Schicksal stehend, hart, nachdenklich, vordenklich -:
erzitternd darob, dass er siegte, jauchzend darüber, daß er sterbend siegte -:
befehlend, indem er starb, - und er befahl, dass man vernichte …
So sterben, wie ich ihn einst sterben sah: siegend, vernichtend …
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Interpretation
Das Gedicht "Letzter Wille" von Friedrich Nietzsche beschreibt einen tiefen Wunsch des lyrischen Ichs, in einer Weise zu sterben, die an einen verstorbenen Freund erinnert. Dieser Freund wird als eine außergewöhnliche Persönlichkeit dargestellt, die das Leben des lyrischen Ichs maßgeblich beeinflusst hat. Er wird als jemand beschrieben, der mit göttlicher Energie und Tiefe in die Jugend des Ichs eingewirkt hat, mutwillig und tiefgründig, ein Tänzer in der Schlacht und der Heiterste unter Kriegern. Der Freund wird als eine Person dargestellt, die mit einer gewissen Schwere und Nachdenklichkeit auf sein Schicksal blickt, aber auch mit einer Vorahnung und einem Zittern vor dem, was kommen wird. Er siegt im Leben, aber auch im Sterben, und ist dabei von einer Mischung aus Zittern und Freude erfüllt. Sein letzter Befehl ist die Vernichtung, was auf eine radikale und möglicherweise zerstörerische Natur seiner Persönlichkeit hindeutet. Das lyrische Ich sehnt sich danach, auf ähnliche Weise zu sterben: siegreich und zerstörerisch. Dies deutet auf eine Bewunderung für die Stärke, den Mut und die Entschlossenheit des Freundes hin, sowie auf den Wunsch, ein ähnlich beeindruckendes und bedeutungsvolles Ende zu finden. Das Gedicht reflektiert somit Themen wie Freundschaft, Einfluss, Sterben und den Wunsch nach einem heroischen Tod.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Tänzer unter Kriegern
- Anapher
- So sterben, wie ich ihn einst sterben sah
- Hyperbel
- unter Siegern der Schwerste
- Kontrast
- mutwillig und tief
- Metapher
- Blitze und Blicke gottlich in meine dunkle Jugend
- Parallelismus
- erzitternd darob, dass er siegte, jauchzend darüber, daß er sterbend siegte
- Personifikation
- auf seinem Schicksal ein Schicksal stehend