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Letzter Abend

Von

(Aus dem Besitze Frau Nonnas)

Und Nacht und fernes Fahren; denn der Train
des ganzen Heeres zog am Park vorüber.
Er aber hob den Blick vom Clavecin
und spielte noch und sah zu ihr hinüber

beinah wie man in einen Spiegel schaut:
so sehr erfüllt von seinen jungen Zügen
und wissend, wie sie seine Trauer trügen,
schön und verführender bei jedem Laut.

Doch plötzlich wars, als ob sich das verwische:
sie stand wie mühsam in der Fensternische
und hielt des Herzens drängendes Geklopf.

Sein Spiel gab nach. Von draußen wehte Frische.
Und seltsam fremd stand auf dem Spiegeltische
Der schwarze Tschako mit dem Totenkopf.

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Gedicht: Letzter Abend von Rainer Maria Rilke

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Letzter Abend“ von Rainer Maria Rilke beschreibt einen Moment des Abschieds, der von einer tiefen Melancholie durchzogen ist. Das lyrische Ich, dargestellt durch den Musiker am Clavecin, erlebt einen Abschied von der Geliebten, während der Zug des Heeres, das den Tod symbolisiert, vorüberzieht. Die Atmosphäre ist getränkt von Abschied, Schmerz und dem Wissen um das nahende Ende.

Die erste Strophe etabliert die Szenerie: Die Nacht, das ferne Fahren und der Lärm des Heeres, das den Park durchquert, schaffen eine Atmosphäre des Aufbruchs und der Unausweichlichkeit. Der Musiker, mit einem Blick, der in die Tiefe geht, verweilt an seinem Instrument und blickt gleichzeitig zu seiner Geliebten hinüber. Sein Blick ist ähnlich dem, den man in einen Spiegel wirft, gefüllt von der Erkenntnis der eigenen Jugend und dem Wissen, dass sie seinen Schmerz lindern kann. Hier wird die tiefe Verbindung zwischen den beiden Figuren, sowie das Wissen um die eigene Vergänglichkeit deutlich.

In der zweiten Strophe erfährt die Szene eine Wendung. Ein Wandel deutet sich an, als ob sich das Gesicht der Frau verschwimmen würde. Sie steht „mühsam“ in der Fensternische, was eine innere Anstrengung und Bedrückung andeutet. Der Musiker nimmt diesen Wandel wahr und gibt sein Spiel auf. Die Frische, die von außen hereinweht, symbolisiert den Abschied von der Welt, dem Leben.

Die letzte Zeile, „Der schwarze Tschako mit dem Totenkopf“, verstärkt die Bedeutung des Abschieds und die Gewissheit des nahenden Todes. Der Tschako, ein militärischer Hut, wird in diesem Kontext zum Symbol des Todes und des Krieges. Die Präsenz des Totenkopfs verstärkt die Unausweichlichkeit und Endgültigkeit des Abschieds. Die Kombination aus der Szenerie, der emotionalen Tiefe der Figuren und dem symbolischen Bild des Todes macht dieses Gedicht zu einer tiefgründigen Meditation über Abschied, Liebe und die Vergänglichkeit des Lebens.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.