Letzte Wache
1912Wie dunkel sind deine Schläfen. Und deine Hände so schwer. Bist du schon weit von dannen, Und hörst mich nicht mehr.
Unter dem flackenden Lichte Bist du so traurig und alt, Und deine Lippen sind grausam In ewiger Starre gekrallt.
Morgen schon ist hier das Schweigen Und vielleicht in der Luft Noch das Rascheln von Kränzen Und ein verwesender Duft.
Aber die Nächte werden Leerer nun, Jahr um Jahr. Hier wo dein Haupt lag, und leise Immer dein Atem war.
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Interpretation
Das Gedicht "Letzte Wache" von Georg Heym thematisiert den Abschied von einem geliebten Menschen und den Prozess des Trauerns. Es beschreibt die Endgültigkeit des Todes und die damit einhergehende Veränderung der Umgebung. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung der physischen Merkmale des Verstorbenen, die nun von Dunkelheit und Schwere geprägt sind. Der Sprecher fragt sich, ob der Verstorbene bereits weit fort ist und ihn nicht mehr hören kann. Dies verdeutlicht die Endgültigkeit des Todes und die Distanz, die zwischen den Lebenden und den Toten entsteht. In der zweiten Strophe wird das Bild des Verstorbenen unter flackerndem Licht weiter ausgearbeitet. Die Traurigkeit und das Alter, das der Verstorbene nun ausstrahlt, werden betont. Die grausamen Lippen, die in ewiger Starre gekrallt sind, symbolisieren den Verlust der Lebensfreude und der Fähigkeit zu kommunizieren. Die dritte Strophe blickt in die Zukunft und prophezeit das Schweigen, das den Ort des Verstorbenen erfüllen wird. Das Rascheln von Kränzen und der verwesende Duft lassen auf eine Beerdigung und die Vergänglichkeit des Lebens schließen. Die Nächte werden nun leer, da der Verstorbene nicht mehr anwesend ist. Im letzten Vers des Gedichts wird die Endgültigkeit des Todes nochmals betont. Der Ort, an dem der Kopf des Verstorbenen lag und an dem sein Atem leise war, wird nun leer und still sein. Die Zeit vergeht, Jahr um Jahr, und die Erinnerung an den Verstorbenen verblasst langsam. Insgesamt vermittelt das Gedicht "Letzte Wache" eine düstere und traurige Stimmung. Es thematisiert den Abschied von einem geliebten Menschen und die damit einhergehende Leere und Stille. Die Beschreibungen der physischen Merkmale und der Umgebung unterstreichen die Endgültigkeit des Todes und die Vergänglichkeit des Lebens.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Immer dein Atem war
- Bildsprache
- Hier wo dein Haupt lag
- Metapher
- Und ein verwesender Duft
- Personifikation
- Und deine Hände so schwer
- Vorahnung
- Morgen schon ist hier das Schweigen
- Zeitverlauf
- Aber die Nächte werden Leerer nun, Jahr um Jahr