Lenzleid

Else Lasker-Schüler

1920

Dass du Lenz gefühlt hast unter meiner Winterhülle, dass du den Lenz erkannt hast in meiner Todstille. Nicht wahr, das ist Gram, Winter sein, eh’ der Sommer kam, eh’ der Lenz sich ausgejauchzt hat.

O, du! schenk’ mir deinen gold’nen Tag von deines Blutes blühendem Rot. Meine Seele friert vor Hunger, ist satt vom Reif. O, du! gieße Dein Lenzblut durch meine Starre, durch meinen Scheintod. Sieh, ich harre schon Ewigkeiten auf dich!

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Illustration zu Lenzleid

Interpretation

Das Gedicht "Lenzleid" von Else Lasker-Schüler thematisiert die Sehnsucht nach Erneuerung und Lebendigkeit. Die lyrische Ich-Figur befindet sich in einem Zustand der Erstarrung und Kälte, symbolisiert durch den Winter und den Tod. Doch es gibt Hoffnung, denn der Geliebte hat den Lenz, die Frühlingszeit, in der scheinbaren Erstarrung und Stille erkannt. Dies deutet darauf hin, dass auch in dunklen Zeiten die Möglichkeit der Veränderung und des Neubeginns besteht. Das Gedicht beschreibt den Schmerz, der mit dem Warten auf den Lenz einhergeht. Das lyrische Ich beklagt, dass es den Winter erleben muss, bevor der Sommer kommt, und dass es den Frühling verpasst hat, bevor er sich in voller Pracht entfalten konnte. Dies verdeutlicht die Dringlichkeit und Verzweiflung der Figur, die sich nach dem Einzug des Frühlings sehnt. In einem Appell an den Geliebten bittet das lyrische Ich um Hilfe und Rettung. Es fleht darum, den "gold'nen Tag" und das "blühendem Rot" des Blutes des Geliebten zu erhalten. Die Seele ist hungrig und sehnt sich nach Nahrung, die nicht mehr vom Reif, sondern vom lebendigen Blut des Geliebten kommen soll. Die Bitte, das Lenzblut durch die Starre und den Scheintod zu gießen, symbolisiert den Wunsch nach Erweckung und Neubelebung. Das Gedicht endet mit einem Ausdruck der Hoffnung und des Wartens. Das lyrische Ich hat schon "Ewigkeiten" auf den Geliebten gewartet und harrt weiterhin auf ihn. Dies verdeutlicht die Intensität der Sehnsucht und die Bereitschaft, auf den Einzug des Frühlings und die damit verbundene Erneuerung zu warten, auch wenn es eine lange Zeit dauern mag.

Schlüsselwörter

lenz hast gefühlt winterhülle erkannt todstille wahr gram

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
schon Ewigkeiten auf dich
Metapher
durch meinen Scheintod
Personifikation
eh' der Lenz sich ausgejauchzt hat
Symbolik
gold'nen Tag von deines Blutes blühendem Rot