Leise hinter Nachtgewölke
1828Leise hinter düstrem Nachtgewölbe Tritt des Mondes Silberbild hervor, Aus des Wiesentales feuchtem Grunde Steigt der Abendnebel leicht empor.
Ruhig schlummernd liegen alle Wesen, Feiernd schweigt des Waldes Sängerchor, Nur aus stillem Hain, einsam klagend, Tönet Philomenes Lied hervor.
Schweigend steht des Waldes düstre Fichte, Süß entströmt der Nachtviole Luft, Um die Blumen spielt des Westwinds Flügel, Leis hinstreichend durch die Abendluft.
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Interpretation
Das Gedicht "Leise hinter Nachtgewölke" von Karl Georg Büchner beschreibt eine nächtliche Szene, die von einer ruhigen und melancholischen Stimmung durchdrungen ist. Der Mond tritt sanft hinter den dunklen Wolken hervor, während der Abendnebel aus dem feuchten Grund des Wiesentals aufsteigt. Diese Bilder schaffen eine Atmosphäre der Stille und des Übergangs zwischen Tag und Nacht. In der zweiten Strophe liegt alles in friedlichem Schlaf, und der Gesang des Waldes ist verstummt. Nur das einsame Klagen der Philomele, einer Nachtigall, durchbricht die Stille. Dieses einzelne Lied verleiht der Szene eine tiefere emotionale Ebene, die auf Einsamkeit und Sehnsucht hindeutet. Die Philomele wird oft als Symbol für tragische Liebe und unerfülltes Verlangen verwendet, was die Stimmung des Gedichts noch intensiviert. Die letzte Strophe konzentriert sich auf die Düfte und Bewegungen der Nacht. Die dunkle Fichte steht still, während die süße Luft der Nachtviole entströmt. Der Westwind spielt mit den Blumen und streicht sanft durch die Abendluft. Diese Bilder vermitteln eine zarte und fast traumhafte Qualität, die den Leser in die friedliche, aber auch nachdenkliche Atmosphäre der Nacht eintauchen lässt. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Ruhe und der Schönheit der Natur in ihrer stillsten und intimsten Form.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Philomenes Lied
- Bildlichkeit
- Um die Blumen spielt des Westwinds Flügel
- Kontrast
- Ruhig schlummernd liegen alle Wesen, Feiernd schweigt des Waldes Sängerchor
- Metapher
- Nachtgewölbe
- Personifikation
- Schweigend steht des Waldes düstre Fichte