Leidensantlitz

Peter Hille

1870

Ein bleiches Antlitz leidet hin Im Lebensleide bebt sein Sinn, Die Schmerzen aller im Gesicht, Mag es das eigen Dasein nicht.

Zu eigenem Weh die fremde Lust, Wie schlägt sie herb dir auf die Brust: Zu eigener Lust das fremde Leid, Vergällt zerschreckt dir deine Freud'.

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Interpretation

Das Gedicht "Leidensantlitz" von Peter Hille handelt von einem Menschen, dessen Gesicht von Schmerz und Leid gezeichnet ist. Der erste Vers beschreibt das "bleiche Antlitz", das unter dem "Lebensleide" leidet. Der zweite Vers verdeutlicht, dass die Schmerzen aller Menschen in diesem Gesicht sichtbar werden, während das eigene Dasein kaum noch wahrgenommen wird. Es scheint, als ob das Leid der Welt auf diesem Gesicht lastet und das eigene Sein in den Hintergrund tritt. Der zweite Teil des Gedichts beschäftigt sich mit der Ambivalenz von Freude und Leid. Die "fremde Lust" wird als schmerzhaft empfunden, wenn man selbst in Not ist. Die Freude anderer schlägt einem auf die Brust und verstärkt das eigene Leid. Umgekehrt wird das fremde Leid zur eigenen Lust, wenn man selbst glücklich ist. Die Freude anderer wird einem zerschreckt und verdirbt die eigene Freude. Es entsteht eine Art emotionaler Austausch, bei dem das eigene Empfinden durch das Erleben anderer beeinflusst wird. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Empathie für das Leid der Welt und die Verbundenheit aller Menschen. Es zeigt auf, wie das eigene Erleben durch das Schicksal anderer beeinflusst wird und wie Freude und Leid untrennbar miteinander verbunden sind. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die eigene Position im Leben und die Verantwortung gegenüber anderen an.

Schlüsselwörter

fremde lust bleiches antlitz leidet hin lebensleide bebt

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Stilmittel

Alliteration
Ein bleiches Antlitz leidet hin
Bildsprache
Vergällt zerschreckt dir deine Freud'
Hyperbel
Die Schmerzen aller im Gesicht
Kontrast
Zu eigener Lust das fremde Leid
Metapher
Ein bleiches Antlitz leidet hin
Personifikation
Im Lebensleide bebt sein Sinn