Leichte Trübung
1802Woher dies plötzliche Verstummen? Und diese Wolken kummerschwer, Die mir dein Angesicht vermummen, Das erst so froh gestrahlt, woher?
“Siehst du den blauen Berg dort ragen, Der Felsen in die Lüfte hebt, An welchen selbst die Gemsen zagen Und der erschrockne Jäger bebt? - Von seinem Gipfel schleudre du Ein Steinchen spielend in die Tiefen: Du störst der Lüfte schwanke Ruh, Und Nebel steigen, die dort schliefen. So warfst du, seine Kraft nicht ahnend, Ein Wörtchen mir in meine Brust, Ein Wörtchen, leise, aber mahnend, Und sieh, nun stieg der trübe Wust Von Nebelbildern alter Kränkung Aus ihrer stillen Nachtversenkung.”
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Interpretation
Das Gedicht "Leichte Trübung" von Nikolaus Lenau handelt von einem plötzlichen emotionalen Wechsel, der durch einen unbedachten Kommentar ausgelöst wird. Die Stimmung wechselt von heiter zu trüb, was durch die Metapher des Berges und der aufsteigenden Nebelwolken dargestellt wird. Der Sprecher fragt nach dem Grund für diese Verstimmung und erhält eine Antwort, die die Auslösung mit einem spielerischen Steinwurf vergleicht, der die Ruhe stört und die schlummernden Nebel aufsteigen lässt. Die Antwort des Partners verdeutlicht, dass ein scheinbar harmloses Wort tiefgreifende emotionale Reaktionen auslösen kann. Die Metapher des Berges symbolisiert die innere Stärke und Stabilität, während der Steinwurf für das unbedachte Wort steht, das diese Ruhe stört. Die aufsteigenden Nebel stehen für aufgewühlte Gefühle und Erinnerungen an alte Kränkungen, die durch das auslösende Wort wieder an die Oberfläche gelangen. Das Gedicht thematisiert somit die Empfindsamkeit menschlicher Emotionen und wie leicht sie durch unbedachte Worte verletzt werden können. Es verdeutlicht, dass selbst kleine Gesten oder Worte große Auswirkungen auf das emotionale Gleichgewicht haben können. Die Verwendung der Naturmetapher unterstreicht die Unvermeidlichkeit und Natürlichkeit dieser emotionalen Reaktionen, ähnlich wie das Aufsteigen der Nebel nach einer Störung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Frage
- Woher dieses plötzliche Verstummen? Und diese Wolken kummerschwer, Die mir dein Angesicht vermummen, Das erst so froh gestrahlt, woher?
- Hyperbel
- An welchen selbst die Gemsen zagen Und der erschrockne Jäger bebt
- Metapher
- trübe Wust Von Nebelbildern alter Kränkung
- Personifikation
- Nebelbildern alter Kränkung Aus ihrer stillen Nachtversenkung
- Symbolik
- Blauer Berg
- Vergleich
- Die mir dein Angesicht vermummen