Leicht Gepäck

Georg Herwegh

1841

Ich bin ein freier Mann und singe mich wohl in keine Fürstengruft, Und alles, was ich mir erringe, ist Gottes liebe Himmelsluft. Ich habe keine stolze Feste, von der man Länder übersieht, Ich wohn ein Vogel nur im Neste, mein ganzer Reichtum ist mein Lied.

Ich durfte nur, wie andre, wollen, und wär nicht leer davongeeilt, Wenn jährlich man im Staat die Rollen den treuen Knechten ausgeteilt; Allein ich hab nie zugegriffen, so oft man mich herbei beschied, Ich habe fort und fort gepfiffen, mein ganzer Reichtum ist mein Lied.

Der Lord zapft Gold aus seiner Tonne und ich aus meiner höchstens Wein; Mein einzig Gold die Morgensonne, mein Silber all der Mondenschein! Färbt sich mein Leben herbstlich gelber, kein Erbe, der zum Tod mir riet; Denn meine Münzen prägt ich selber; mein ganzer Reichtum ist mein Lied.

Gern sing ich abends zu dem Reigen, vor Thronen spiel ich niemals auf; Ich lernte Berge wohl ersteigen, Paläste komm ich nicht hinauf; Indes aus Moder, Sturz und Wettern sein golden Los sich mancher zieht, Spiel ich mit leichten Rosenblättern; mein ganzer Reichtum ist mein Lied.

Nach dir, nach dir steht mein Verlangen, o schönes Kind, o wärst du mein! Doch du willst Bänder, du willst Spangen, und ich soll dienen gehen? Nein! Ich will die Freiheit nicht verkaufen, und wie ich die Paläste mied, Lass ich getrost die Liebe laufen; mein ganzer Reichtum sei mein Lied.

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Illustration zu Leicht Gepäck

Interpretation

Das Gedicht "Leicht Gepäck" von Georg Herwegh handelt von einem freien Menschen, der ein einfaches Leben führt und seinen Reichtum nicht in materiellen Dingen sieht. Der Sprecher betont, dass er kein Interesse daran hat, sich in eine Fürstengruft zu singen oder materiellen Besitz anzuhäufen. Stattdessen schätzt er die Freiheit und die Schönheit der Natur, die er als "Gottes liebe Himmelsluft" bezeichnet. Sein einziges Vermögen ist sein Lied, das er singt, um seine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Der Sprecher zeigt auch seine Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Erwartungen und Normen. Er erwähnt, dass er nie versucht hat, in den Staatsdienst einzutreten oder sich in den Dienst eines Lords zu stellen. Stattdessen zieht er es vor, sein Leben frei und unabhängig zu gestalten. Auch in Bezug auf die Liebe zeigt er sich unabhängig und will sich nicht an eine Frau binden, die materielle Dinge von ihm erwartet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Freiheit und Unabhängigkeit. Der Sprecher lehnt materiellen Besitz und gesellschaftliche Erwartungen ab und schätzt stattdessen die Schönheit der Natur und die Freiheit, sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten. Sein Lied ist sein einziges Vermögen und Ausdruck seiner Persönlichkeit und Unabhängigkeit.

Schlüsselwörter

ganzer reichtum lied keine liebe habe fort gold

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Stilmittel

Antithese
Ich lernte Berge wohl ersteigen, Paläste komm ich nicht hinauf
Bildsprache
Spiel ich mit leichten Rosenblättern
Hyperbel
Ich bin ein freier Mann und singe mich wohl in keine Fürstengruft
Kontrast
Ich will die Freiheit nicht verkaufen
Metapher
mein ganzer Reichtum sei mein Lied
Personifikation
meine Münzen prägt ich selber
Symbolik
Morgensonne als Gold, Mondenschein als Silber
Wiederholung
mein ganzer Reichtum ist mein Lied