Lehnen im Abendgarten beide...
1875Lehnen im Abendgarten beide, lauschen lange nach irgendwo. “Du hast Hände wie weiße Seide…” Und da staunt sie: “Du sagst das so…”
Etwas ist in den Garten getreten. und das Gitter hat nicht geknarrt, und die Rosen in allen Beeten beben vor seiner Gegenwart.
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Interpretation
Das Gedicht "Lehnen im Abendgarten beide..." von Rainer Maria Rilke beschreibt eine intime Szene im Abendgarten, in der sich zwei Personen in einem Moment der Nähe und Zärtlichkeit befinden. Die Atmosphäre ist von einer stillen, fast andächtigen Stille geprägt, die durch das Lauschen nach etwas Unbestimmtem verstärkt wird. Die Worte, die zwischen ihnen ausgetauscht werden, sind zart und persönlich, was die Tiefe ihrer Verbindung unterstreicht. Die plötzliche Ankunft einer dritten Präsenz im Garten verändert die Stimmung. Diese unsichtbare Kraft tritt leise und unerwartet ein, ohne dass das Gitter knarrt, was ihre sanfte und unaufdringliche Natur betont. Die Rosen, die normalerweise für Schönheit und Leidenschaft stehen, beben vor ihrer Gegenwart, was auf eine tiefere, fast spirituelle Bedeutung hindeutet. Diese Präsenz könnte als Symbol für die Intensität des Moments oder für eine höhere, transzendente Kraft interpretiert werden. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre der Intimität, die durch die Ankunft der geheimnisvollen Präsenz noch verstärkt wird. Die Stille und die Zärtlichkeit der Worte werden durch die unerklärliche Kraft im Garten in einen fast sakralen Raum verwandelt. Rilke gelingt es, die Komplexität menschlicher Emotionen und die subtile Präsenz des Unerklärlichen in einer einzigen Szene zu vereinen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- beben vor seiner Gegenwart
- Bildlichkeit
- Lehnen im Abendgarten beide, lauschen lange nach irgendwo
- Enjambement
- Etwas ist in den Garten getreten. Und das Gitter hat nicht geknarrt,
- Metapher
- Du hast Hände wie weiße Seide...
- Personifikation
- Und das Gitter hat nicht geknarrt