Leda
1907Als ihn der Gott in seiner Not betrat, erschrak er fast, den Schwan so schön zufinden; er ließ sich ganz verwirrt in ihm verschwinden. Schon aber trug ihn sein Betrug zur Tat,
bevor er noch des unerprobten Seins Gefühle prüfte. Und die Aufgetane erkannte schon den Kommenden im Schwane und wußte schon: er bat um Eins,
das sie, verwirrt in ihrem Widerstand, nicht mehr verbergen konnte. Er kam nieder und halsend durch die immer schwächere Hand
ließ sich der Gott in die Geliebte los. Dann erst empfand er glücklich sein Gefieder und wurde wirklich Schwan in ihrem Schoß.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Leda" von Rainer Maria Rilke erzählt von der Begegnung zwischen dem Gott Zeus und der schönen Leda. In einer verzweifelten Situation betritt der Gott den Schwan, um sich in ihm zu verbergen. Doch der Anblick des Schwans überrascht ihn, und er lässt sich verwirrt in ihm verschwinden. Bevor er die Gefühle des unerprobten Seins überhaupt prüfen kann, trägt ihn sein Betrug bereits zur Tat. Leda erkennt den Kommenden im Schwan und weiß bereits, dass er um etwas bittet. In ihrem Widerstand verwirrt, kann sie nicht mehr verbergen, was sie fühlt. Der Gott kommt zu ihr herab und lässt sich durch ihre immer schwächere Hand in die Geliebte los. Erst jetzt empfindet er das Glück seines Gefieders und wird wirklich zum Schwan in ihrem Schoß. Das Gedicht thematisiert die Verwandlung des Gottes Zeus in einen Schwan, um sich Leda zu nähern. Es beschreibt die Verwirrung und das Zögern des Gottes, bevor er sich vollständig in die Gestalt des Schwans begibt. Leda erkennt den Gott in der Gestalt des Schwans und kann ihre Gefühle nicht länger verbergen. Die Handlung kulminiert darin, dass sich der Gott in Leda ergießt und sie zu seiner Geliebten wird. Erst in diesem Moment empfindet der Gott das volle Glück seiner Schwanengestalt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Schon aber trug ihn sein Betrug zur Tat
- Metapher
- und wurde wirklich Schwan in ihrem Schoß
- Personifikation
- der Schwan so schön zufinden