Lebenspflichten
1776Rosen auf den Weg gestreut, Und des Harms vergeßen! Eine kleine Spanne Zeit Ward uns zugemessen.
Heute hüpft, im Frühlingstanz, Noch der frohe Knabe; Morgen weht der Todtenkranz Schon auf seinem Grabe.
Wonne führt die junge Braut Heute zum Altare; Eh die Abendwolke thaut, Ruht sie auf der Bahre.
Ungewißer, kurzer Daur Ist dieß Erdeleben; Und zur Freude, nicht zur Traur, Uns von Gott gegeben.
Gebet Harm und Grillenfang, Gebet ihn den Winden; Ruht, bey frohem Becherklang, Unter grünen Linden.
Laßet keine Nachtigall Unbehorcht verstummen, Keine Bien’, im Frühlingsthal, Unbelauschet summen.
Fühlt, so lang es Gott erlaubt, Kuß und süße Trauben, Bis der Tod, der alles raubt, Kommt, sie euch zu rauben.
Unser schlummerndes Gebein, In die Gruft gesäet, Fühlet nicht den Rosenhayn, Der das Grab umwehet.
Fühlet nicht den Wonneklang Angestoßner Becher; Nicht den frohen Rundgesang Weingelehrter Zecher.
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Interpretation
Das Gedicht "Lebenspflichten" von Ludwig Christoph Heinrich Hölty thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens und die Notwendigkeit, die Zeit zu genießen. Der Dichter betont, dass das Leben kurz und ungewiss ist, und fordert dazu auf, sich nicht von Sorgen und Kummer belasten zu lassen. Stattdessen soll man die Freuden des Lebens in vollen Zügen genießen, solange es möglich ist. Hölty verwendet dabei verschiedene Bilder und Metaphern, um seine Botschaft zu vermitteln. So vergleicht er das Leben mit einem Frühlingsblüher, der schnell vergeht, und mit einem Tanz, der bald zu Ende ist. Er beschreibt auch den Übergang vom Leben zum Tod, indem er den Tod als einen "Todtenkranz" darstellt, der sich über das Grab legt. Das Gedicht endet mit einer optimistischen Note, indem es die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod ausdrückt. Der Dichter glaubt, dass das Leben eine Gabe Gottes ist, die dazu bestimmt ist, genossen zu werden, und dass der Tod nur ein Übergang zu einem neuen Leben ist. Insgesamt ist "Lebenspflichten" ein bewegendes Gedicht, das die Vergänglichkeit des Lebens und die Notwendigkeit, die Zeit zu nutzen, eindringlich vermittelt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- frohen Rundgesang
- Personifikation
- Wonne führt die junge Braut