Lebenslauf

Friedrich Hölderlin

1798

Größers wolltest auch du, aber die Liebe zwingt All uns nieder, das Leid beuget gewaltiger, Doch es kehret umsonst nicht Unser Bogen, woher er kommt.

Aufwärts oder hinab! herrschet in heil′ger Nacht, Wo die stumme Natur werdende Tage sinnt, Herrscht im schiefesten Orkus Nicht ein Grades, ein Recht noch auch?

Dies erfuhr ich. Denn nie, sterblichen Meistern gleich, Habt ihr Himmlischen, ihr Alleserhaltenden, Daß ich wüßte, mit Vorsicht Mich des ebenen Pfads geführt.

Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen, Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern′, Und verstehe die Freiheit, Aufzubrechen, wohin er will.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Lebenslauf

Interpretation

Das Gedicht "Lebenslauf" von Friedrich Hölderlin thematisiert die menschliche Existenz als einen Lebensweg, der von Höhen und Tiefen geprägt ist. Der Sprecher beschreibt, wie die Liebe und das Leid die Menschen niederzwingen, doch betont er, dass der Lebensbogen, aus dem er kommt, nicht umsonst zurückkehrt. Es herrscht eine Ambivalenz zwischen Aufwärts- und Abwärtsbewegung, die auch in der heiligen Nacht und im schiefsten Orkus zu finden ist. Der Sprecher reflektiert über seine Erfahrungen und stellt fest, dass die Himmlischen ihn nicht vorsichtig auf einem ebenen Pfad geführt haben. Der Sprecher fordert den Menschen auf, alles zu prüfen und zu lernen, dankbar für alles zu sein. Er betont die Bedeutung der Freiheit und der Fähigkeit, aufzubrechen und dorthin zu gehen, wohin man will. Das Gedicht vermittelt eine Botschaft der Selbstreflexion und des Strebens nach Freiheit und Dankbarkeit. Es ermutigt den Leser, das Leben als eine Reise zu betrachten, die von Herausforderungen und Wachstum geprägt ist.

Schlüsselwörter

himmlischen größers wolltest liebe zwingt all nieder leid

Wortwolke

Wortwolke zu Lebenslauf

Stilmittel

Anapher
Herrscht... Herrscht
Gegensatz
Aufwärts oder hinab
Hyperbel
Die stumme Natur werdende Tage sinnt
Imperativ
Alles prüfe der Mensch
Personifikation
Liebe zwingt nieder, Leid beugt gewaltiger