Lebensblut
unknown…Ich aber will essen vom heiligen Leibe Und saugen aus heiligem Becher das Blut, - Woraus mir in rothen, erschütternden Dämpfen Des Lebens Bedeutung entgegenflammt … - An dessen Entglüh′n jener Nebel zerschmilzet, Der Linien verwischt und uns Farben verlöscht, Der Klänge erstickt und uns tödtet die Düfte, Und alles so grau macht und matt und alltäglich, Trostlos alltäglich…
Ich aber will saugen Aus heiligem Kelche - des Lebens Bedeutung: Dass festlich mir aufstrahlt die sonnige Höhe, Dass heimlich die wissende Tiefe mir raunt, Dass mich umbrause, in schwellenden Chören Der hellentzündete Rhythmus der Farben, - Die weichen Harpeggien verklingender Linien, Und tausend verhuschende, wolkige Düfte, Und all das Weite, das Räthselblaue …
Das stürzt so verwirrend mir über die Seele, Das spannt ihr so straff all die zuckenden Fäden, Das schwellt sie mit Leben - mit schwerem, genoss′nem - Bis ihr alle Fasern so schmerzlich gefüllt sind, Dass sie zerreissen … im Übermass …
O, seliger Tod! berauschet am Becher, In dem das lebendige Leben glüht!
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Interpretation
Das Gedicht "Lebensblut" von Lisa Baumfeld ist ein intensives und metaphorisches Werk, das die Suche nach dem tieferen Sinn des Lebens und die Überwältigung durch dessen Fülle thematisiert. Die Sprecherin sehnt sich danach, "vom heiligen Leibe zu essen" und "aus heiligem Becher das Blut zu saugen", was eine spirituelle oder religiöse Anlehnung suggeriert. Diese Handlungen symbolisieren den Wunsch, das Wesen des Lebens in seiner reinsten und intensivsten Form zu erfahren. Die "roten, erschütternden Dämpfe" stehen für die leidenschaftliche und bewegende Natur des Lebens, die der Sprecherin entgegenflammt und ihr eine tiefere Bedeutung vermittelt. Im zweiten Teil des Gedichts beschreibt die Sprecherin, wie das Leben in all seinen Facetten über sie hereinbricht. Die "sonnige Höhe" und die "wissende Tiefe" repräsentieren die Weite und Tiefe der Lebenserfahrung, während die "hellentzündete Rhythmus der Farben" und die "weichen Harpeggien verklingender Linien" die Schönheit und Harmonie der Welt evozieren. Die "tausend verhuschende, wolkige Düfte" und das "Räthselblaue" unterstreichen die Vielschichtigkeit und das Geheimnis des Lebens. Diese überwältigende Fülle führt dazu, dass die Seele "so straff all die zuckenden Fäden" spannt und mit "schwerem, genossnem" Leben gefüllt wird, bis sie schließlich "im Übermass" zerreißt. Das Gedicht endet mit dem Ausruf "O, seliger Tod! berauschet am Becher, / In dem das lebendige Leben glüht!" Hier wird der Tod als ein willkommener und erlösender Abschluss der intensiven Lebenserfahrung dargestellt. Der "Becher", in dem das "lebendige Leben glüht", symbolisiert die Vollendung und die Erfüllung, die der Sprecherin durch die tiefe Auseinandersetzung mit dem Leben zuteilwird. Der Tod wird somit als ein "seliger" Zustand empfunden, der die überwältigende Intensität des Lebens in einer finalen, ekstatischen Erfahrung zusammenfasst.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Des Lebens Bedeutung
- Bildsprache
- Die weichen Harpeggien verklingender Linien
- Hyperbel
- Dass sie zerreissen ... im Übermass ...
- Metapher
- Ich aber will essen vom heiligen Leibe und saugen aus heiligem Becher das Blut
- Oxymoron
- O, seliger Tod!
- Personifikation
- Des Lebens Bedeutung entgegenflammt