Lebendes Bild

Jakob van Hoddis

1942

Zwei Skribenten mit zu großer Neese Sitzen vor der Wand aus gelbem Taft; Und sie sorgen sich um die Synthese Der Kultur und um die Jungfernschaft.

Denn der Teufel schreitet durch die Mitte Und ist gänzlich ohne innern Halt. Feurig federn seine langen Schritte, Schwarz und wechselnd ist er von Gestalt.

Und er wedelt mit dem schlangenhaften Schweife; Denn er hat mit einer Maus gehurt, Und im Vordergrund raucht schon die Pfeife Seine neugeborne Mißgeburt.

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Illustration zu Lebendes Bild

Interpretation

Das Gedicht "Lebendes Bild" von Jakob van Hoddis ist ein expressionistisches Werk, das mit surrealen und symbolischen Bildern arbeitet. Es zeichnet eine Szene, in der zwei Schreiberlinge, charakterisiert durch ihre "zu große Neese", vor einer gelben Taftwand sitzen und sich über die Synthese der Kultur und die Jungfernschaft sorgen. Diese Sorge deutet auf eine Angst vor der Zerstörung oder dem Verlust traditioneller Werte und Strukturen hin. Die Figur des Teufels, der durch die Mitte schreitet, symbolisiert eine chaotische und destabilisierende Kraft. Seine "feurigen" und "langen Schritte" sowie seine wechselnde Gestalt vermitteln ein Gefühl von Unberechenbarkeit und Bedrohung. Der Teufel, der "mit einer Maus gehurt" hat, führt zu einer "neugeborenen Mißgeburt", die im Vordergrund raucht. Dies könnte als Metapher für die Geburt einer monströsen oder perversen Schöpfung aus einer unnatürlichen Verbindung dienen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre der Unruhe und des drohenden Unheils. Die Kombination aus den besorgten Schreibern, dem durch die Mitte schreitenden Teufel und der rauchenden Mißgeburt schafft ein Bild der kulturellen und moralischen Desintegration. Van Hoddis nutzt diese surreale Szenerie, um die Ängste und Unsicherheiten seiner Zeit zum Ausdruck zu bringen.

Schlüsselwörter

zwei skribenten großer neese sitzen wand gelbem taft

Wortwolke

Wortwolke zu Lebendes Bild

Stilmittel

Alliteration
Zwei Skribenten mit zu großer Neese
Bildsprache
Feurig federn seine langen Schritte
Kontrast
Schwarz und wechselnd ist er von Gestalt
Metapher
Und er wedelt mit dem schlangenhaften Schweife
Personifikation
Denn der Teufel schreitet durch die Mitte
Symbolik
Und im Vordergrund raucht schon die Pfeife