Lebe wohl

Joseph Christian von Zedlitz

1790

(Nach dem Englischen des Lord Byron.)

Lebe wohl, und wenn für immer, Sey′s für immer denn! Wohlan! Wie Du unerbittlich, nimmer Klage doch mein Herz Dich an.

Könnte diese Brust sich spalten, Sie, an die Dein Haupt so gern, Lieblich schlummernd, Du gehalten, Und die bald Dir ewig fern:

Könntest Du sie recht betrachten, Jeglichen Gedanken sehn, Ja, Du sprächst: so sie verachten, Wahrlich, sey nicht gut geschehn!

Mag der That sie Beifall schenken, Lächeln auch dazu die Welt; Dich muß solcher Beifall kränken, Da er fremder Qual gesellt!

Was ich auch gefehlt im Leben, Fand sich für so blut′gen Schlag Denn kein andrer Arm, als eben Der, in dem so oft ich lag?

Täusche Dich nicht selbst! Wohl schwinden Mag die Liebe allgemach; Aber nimmer wirst Du finden, Daß jäher Riß sie brach.

Du wirst leben und mein Leben, Wenn auch blutend, wird bestehn; Ein Gedanke nur macht beben: – Daß wir uns nie wiedersehn!

Dieß sind Worte, tiefre Sorgen Fassend, als des Todes Graun: Beide leben, jeden Morgen Ein verwittwet Bett zu schaun! –

Hörst Du einst mit Wohlgefallen Unsres Kindes ersten Laut, Willst Du′s lehren »Vater« lallen, Da ′s den Vater nie geschaut? –

O, wenn Dir sein Mund begegnet, Dich sein kleines Händchen drückt, Denk′, daß mein Gebet Dich segnet, Wie Dein Lieben mich beglückt.

Sollt′ es meine Züge tragen, Ob auch ewig fern ich sey, Wird Dein Herz doch sanfter schlagen, Blieb ein Pulsschlag mir noch treu!

Meine Fehler liegen offen, Doch nicht meine Raserei! Dich begleitet all′ mein Hoffen, Wo Du gehst, wohin es sey!

Jed′ Gefühl war frei gelassen; Stolz, der einer Welt nicht wich, Bog sich Dir; von Dir verlassen, Ließ die eigne Seele mich! –

Aber eitel sind nun Klagen, Mein′ am eitelsten! Vorbei! Ach! – Doch die Gedanken jagen Unwillkürlich, fesselfrei! –

Lebe wohl! – So aller Freuden, Jedes Trosts beraubt, allein, Blutend – dorrt das Herz in Leiden! – Härter kann auch Tod nicht seyn.

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Illustration zu Lebe wohl

Interpretation

Das Gedicht "Lebe wohl" von Joseph Christian von Zedlitz ist eine emotionale Abschiedsrede, die von tiefem Schmerz und Verzweiflung geprägt ist. Der Sprecher verabschiedet sich von einer geliebten Person, die er nicht mehr sehen wird. Er bittet darum, nicht für seine Fehler verurteilt zu werden und hofft, dass die Erinnerung an ihre gemeinsame Zeit Trost spenden wird. Das Gedicht ist von Lord Byrons Werk beeinflusst und zeichnet sich durch eine intensive emotionale Ausdrucksweise aus. Der Sprecher beschreibt seine innere Zerrissenheit und den Schmerz, den er empfindet, wenn er an die Trennung denkt. Er wünscht sich, dass die Person, die er verlässt, seine Gefühle verstehen und nicht gegen ihn verwenden würde. Das Gedicht zeigt die tiefe Verbundenheit zwischen den beiden Personen und den Schmerz, der durch die Trennung entsteht. Der Sprecher reflektiert über die gemeinsame Vergangenheit und die Hoffnung, dass die Erinnerung an ihre Liebe Trost spenden wird. Er bittet darum, dass die Person, die er verlässt, an ihn denkt und seine Gefühle versteht. Das Gedicht endet mit einem Appell an die Person, sich an die gemeinsame Zeit zu erinnern und die Liebe, die sie geteilt haben, zu bewahren.

Schlüsselwörter

sey leben herz lebe nimmer ewig fern gedanken

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Lebe wohl
Antithese
Wenn auch blutend, wird bestehn
Bildsprache
Könnte diese Brust sich spalten
Metapher
Ein Gedanke nur macht beben
Personifikation
Die Gedanken jagen
Rhetorische Frage
Willst Du's lehren 'Vater' lallen, Da 's den Vater nie geschaut?
Wiederholung
Lebe wohl