Leb wohl, du teures Land
1811Leb wohl, du teures Land, das mich geboren, Beamtenwillkür treibt mich fort von hier. Ich hab Amerika mir auserkoren. Dort scheint allein der Freiheit Sonne mir. Dort drücken mich nicht der Tyrannen Ketten, dort schätzt man erst des Lebens hohen Wert, und wer sich will aus Sklaverei erretten, der folge mir, dort wird er erst geehrt
Dort kennt man nicht die stolzen Fürstenknechte, verprassend nur des Landmanns sauren Schweiß, dort freut der Mensch sich seiner Menschenrechte, er erntet auch die Frucht von seinem Fleiß. Es quälen ihn nicht jene Müßiggänger, durch Fürstengunst betitelt und besternt. Das Sklavenwort ‘Euer Gnaden’ und ‘Gestrengen’ ist aus dem Reich der Sprache weit entfernt
Nach diesem Lande laßt uns, ihr Brüder, ziehen, es folge mir, der die Freiheit liebt und ehrt; ein neues Leben wird dort uns allen blühen, und Gott ist’s, der die Wünsche uns gewährt Schon schlägt die längst ersehnte Stunde, der Abschiedstag, ihr Brüder, ist nun da, und bald erschallt aus unserem Munde; Wie gut, wie gut ist’s in Amerika.
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Interpretation
Das Gedicht "Leb wohl, du teures Land" von Friedrich Franz Karl Hecker ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Auswanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika. Der Autor, der selbst als politischer Flüchtling in die USA emigrierte, beschreibt die Gründe für seinen Abschied aus seiner Heimat und die Hoffnung auf ein besseres Leben in der Neuen Welt. In den ersten beiden Strophen schildert Hecker die Missstände in seiner Heimat, die ihn zur Auswanderung bewegen. Er kritisiert die Willkür der Beamten und die Unterdrückung durch Tyrannen, die ihm die Freiheit nehmen. Im Gegensatz dazu preist er die Vereinigten Staaten als ein Land, in dem die Freiheit herrscht, die Menschenrechte respektiert werden und jeder die Früchte seiner Arbeit ernten kann. Er ruft seine Landsleute dazu auf, ihm zu folgen und sich aus der Sklaverei zu befreien. In den letzten beiden Strophen wird die Auswanderung als eine Art Erlösung dargestellt. Hecker spricht von einem "neuen Leben", das den Auswanderern in Amerika blühen wird, und von Gott, der ihre Wünsche erfüllen wird. Der Abschiedstag ist gekommen, und die Auswanderer freuen sich bereits auf ihr neues Leben in der Neuen Welt. Das Gedicht endet mit einem Ausdruck der Begeisterung und Zufriedenheit über die Entscheidung, nach Amerika zu gehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- dort kennt man nicht die stolzen Fürstenknechte, dort freut der Mensch sich seiner Menschenrechte
- Aufzählung
- Das Sklavenwort 'Euer Gnaden' und 'Gestrengen'
- Ausruf
- Wie gut, wie gut ist's in Amerika
- Bildsprache
- verprassend nur des Landmanns sauren Schweiß
- Direkte Anrede
- Leb wohl, du teures Land
- Hyperbel
- dort wird er erst geehrt
- Kontrast
- Titel: Leb wohl, du teures Land
- Metapher
- dort scheint allein der Freiheit Sonne mir
- Parallelismus
- Es quälen ihn nicht jene Müßiggänger, durch Fürstengunst betitelt und besternt
- Personifikation
- der Freiheit Sonne