Lauriger Horatius, quam dixisti verum:

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

1841

Hoc fonte derivata clades In patriam populumque fluxit!

Ihr müßt durch alle Schule wandern Und schon von Kindesbeinen an, Von einem Lehrer zu dem andern, Zu lernen, was man lernen kann.

Ihr müsset immerfort studieren, Das halbe liebe Leben lang, Ihr müsset zeitig euch dressieren In einen schulgerechten Zwang.

Ihr müsset Prüfungen bestehen, Die selbst ein Hiob kaum bestand, Und dann noch bitten, betteln, flehen, Als suchet ihr’s gelobte Land.

Was ist denn euer Ziel auf Erden Für so viel Kräfte, Geld und Zeit? Ihr wollet nur Bedienten werden Und bleiben bis in Ewigkeit.

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Interpretation

Das Gedicht "Lauriger Horatius, quam dixisti verum" von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben kritisiert das rigide und lebenslange Bildungssystem seiner Zeit. Der Titel, der sich auf Horaz bezieht, deutet auf eine ironische Anrede hin, die die vermeintliche Wahrheit des Bildungssystems in Frage stellt. Der erste Vers führt eine Metapher ein, die besagt, dass aus einer Quelle (dem Bildungssystem) eine Katastrophe für das Volk und die Heimat geflossen ist. Dies setzt den Ton für eine scharfe Kritik an den Auswirkungen des Bildungssystems auf die Gesellschaft. Der erste Teil des Gedichts beschreibt den langwierigen und zwanghaften Prozess des Lernens, der von der Kindheit an beginnt und bis ins Erwachsenenalter andauert. Die Schüler müssen von einem Lehrer zum nächsten wandern und lernen, was ihnen beigebracht wird, ohne Raum für eigene Interessen oder Kreativität. Das Lernen wird als ein ständiges Studieren und Dressieren in einen "schulgerechten Zwang" dargestellt, was die Unterdrückung der Individualität und die Monotonie des Bildungsprozesses betont. Der zweite Teil des Gedichts hebt die Härte und Unnachgiebigkeit der Prüfungen hervor, die selbst einen Hiob, eine Figur aus der Bibel, die für ihre Geduld und Ausdauer bekannt ist, überfordern würden. Die Schüler müssen betteln und flehen, als ob sie nach dem gelobten Land suchen, was die verzweifelte und mühsame Natur des Bildungsprozesses unterstreicht. Dies verdeutlicht die übermäßige Belastung und den Stress, den die Schüler durch das Bildungssystem erfahren. Im letzten Teil des Gedichts stellt der Autor die Frage nach dem Ziel dieses anstrengenden Bildungsprozesses. Er kritisiert, dass das ultimative Ziel der Bildung darin besteht, Diener zu werden, die ihr Leben lang in einem untergeordneten Status verbleiben. Dies deutet darauf hin, dass das Bildungssystem nicht darauf abzielt, unabhängige und kritische Denker zu fördern, sondern vielmehr gehorsame und unterwürfige Individuen zu schaffen, die den Status quo aufrechterhalten.

Schlüsselwörter

müsset lernen hoc fonte derivata clades patriam populumque

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Stilmittel

Alliteration
Lauriger Horatius, quam dixisti verum
Hyperbel
Ihr müsset Prüfungen bestehen, Die selbst ein Hiob kaum bestand
Ironie
Was ist denn euer Ziel auf Erden Für so viel Kräfte, Geld und Zeit? Ihr wollet nur Bedienten werden Und bleiben bis in Ewigkeit
Metapher
Hoc fonte derivata clades In patriam populumque fluxit
Personifikation
Ihr müsset immerfort studieren