Laura am Klavier
1782Wenn Dein Finger durch die Saiten meistert, Laura, itzt zur Statue entgeistert, Itzt entkörpert steh′ ich da. Du gebietest über Tod und Leben, Mächtig wie von tausend Nervgeweben Seelenfordert Philadelphia.
Ehrerbietig leiser rauschen Dann die Lüfte, Dir zu lauschen. Hingeschmiedet zum Gesang Stehn im ew′gen Wirbelgang. Einzuziehn die Wonnefülle, Lauschende Naturen stille. Zauberin! Mit Tönen, wie Mich mit Blicken, zwingst Du sie.
Seelenvolle Harmonien wimmeln, Ein wolllüstig Ungestüm, Aus den Saiten, wie aus ihren Himmeln Neugeborne Seraphim; Wie, des Chaos Riesenarm entronnen, Aufgejagt vom Schöpfungssturm, die Sonnen Funkelnd fuhren aus der Nacht, Strömt der Töne Zaubermacht.
Lieblich itzt, wie über glatten Kieseln Silberhelle Fluten rieseln, Majestätisch prächtig nun, Wie des Donners Orgelton, Stürmend von hinnen itzt, wie sich von Felsen Rauschende, schäumende Gießbäche wälzen, Holdes Gesäusel bald, Schmeichlerisch linde, Wie durch den Espenwald Buhlende Winde,
Schwer nun und melancholisch düster, Wie durch toter Wüsten Schauernachtgeflüster, Wo verlornes Heulen schweift, Tränenwellen der Cocytus schleift. Mädchen, sprich! Ich frage, gib mir Kunde: Stehst mit höhern Geistern Du im Bunde? Ist′s die Sprache, lüg′ mir nicht, Die man in Elysen spricht?
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Interpretation
Das Gedicht "Laura am Klavier" von Friedrich von Schiller beschreibt die überwältigende Wirkung, die Lauras Klavierspiel auf den lyrischen Ich ausübt. Beim Spielen scheint Laura eine Art übernatürliche Macht zu besitzen, die den Sprecher regelrecht verzaubert und in eine Art Trance versetzt. Ihre Musik besitzt die Kraft, die Natur zum Verstummen zu bringen und selbst die Elemente zum Lauschen zu bringen. Die Musik wird als beseelte Harmonien beschrieben, die aus den Saiten entspringen wie neugeborene Engel. Sie vermag eine ganze Bandbreite an Stimmungen und Klangfarben zu erzeugen, von lieblich und sanft bis majestätisch und stürmisch. Die Töne werden mit Naturphänomenen wie plätschernden Bächen oder Donnergrollen verglichen. In einem besonders dunklen Moment klingt die Musik sogar wie das Flüstern einer toten Wüste oder das Weinen des Flusses der Trauer. Am Ende fragt sich der Sprecher, ob Laura in Verbindung mit höheren Geistern steht und ob ihre Musik eine Art himmlische, elysianische Sprache ist. Die Musik scheint ihm ein Ausdruck einer Sphäre zu sein, die jenseits des Irdischen liegt. Insgesamt entsteht das Bild einer Künstlerin, die durch ihr Spiel eine transzendente Kraft entfesselt, die den Zuhörer in ihren Bann zieht und in eine andere Welt entführt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Stürmend von hinnen itzt, wie sich von Felsen Rauschende, schäumende Gießbäche wälzen
- Bildsprache
- Majestätisch prächtig nun, Wie des Donners Orgelton
- Hyperbel
- Mächtig wie von tausend Nervgeweben Seelenfordert Philadelphia
- Metapher
- Aus den Saiten, wie aus ihren Himmeln Neugeborne Seraphim
- Personifikation
- Ehrerbietig leiser rauschen Dann die Lüfte, Dir zu lauschen
- Rhetorische Frage
- Mädchen, sprich! Ich frage, gib mir Kunde: Stehst mit höhern Geistern Du im Bunde? Ist's die Sprache, lüg' mir nicht, Die man in Elysen spricht?
- Vergleich
- Schwer nun und melancholisch düster, Wie durch toter Wüsten Schauernachtgeflüster