Laternentraum

Wolfgang Borchert

1947

Wenn ich tot bin, möchte ich immerhin so eine Laterne sein, und die müsste vor deiner Türe sein und den fahlen Abend überstrahlen.

Oder am Hafen, wo die großen Dampfer schlafen und wo die Mädchen lachen, würde ich wachen an einem schmalen schmutzigen Fleet und dem zublinzeln, der einsam geht.

In einer engen Gasse möcht’ ich hängen als rote Blechlaterne vor einer Taverne - und in Gedanken und im Nachtwind schwanken zu ihren Gesängen.

Oder so eine sein, die ein Kind mit großen Augen ansteckt, wenn es erschreckt entdeckt, dass es allein ist und weil der Wind so johlt an den Fensterluken - und die Träume draußen spuken.

Ja, ich möchte immerhin, wenn ich tot bin, so eine Laterne sein, die nachts ganz allein, wenn alles schläft auf der Welt, sich mit dem Mond unterhält natürlich per Du.

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Illustration zu Laternentraum

Interpretation

Das Gedicht "Laternentraum" von Wolfgang Borchert ist ein nachdenkliches Werk, das sich mit dem Tod und dem Wunsch nach einer symbolischen Existenz danach auseinandersetzt. Der Sprecher drückt den Wunsch aus, nach seinem Tod eine Laterne zu sein, die in verschiedenen Situationen eine bedeutungsvolle Rolle spielt. In den ersten beiden Strophen beschreibt der Sprecher den Wunsch, als Laterne vor der Tür des geliebten Menschen zu stehen und den Abend zu erhellen. Alternativ wünscht er sich, am Hafen zu stehen und den einsamen Menschen zuzublinzeln. Diese Bilder vermitteln den Wunsch, auch nach dem Tod eine Verbindung zu den Menschen aufrechtzuerhalten und ihnen Trost zu spenden. In der dritten Strophe wünscht sich der Sprecher, als rote Blechlaterne vor einer Taverne zu hängen und den Gesängen der Menschen zu lauschen. Dies symbolisiert den Wunsch, Teil des Lebens und der Gemeinschaft zu sein, auch wenn man selbst nicht mehr aktiv daran teilnehmen kann. Die Laterne wird zum passiven Beobachter, der die Atmosphäre und die Emotionen der Menschen um sich herum aufnimmt. In der letzten Strophe äußert der Sprecher den Wunsch, als Laterne ein Kind zu trösten, das sich allein und ängstlich fühlt. Die Laterne wird zum Symbol der Hoffnung und des Trostes in dunklen und beängstigenden Momenten. Der Sprecher wünscht sich, auch nach dem Tod eine positive Wirkung auf das Leben anderer haben zu können. Insgesamt vermittelt das Gedicht den Wunsch nach einer symbolischen Existenz nach dem Tod, in der man weiterhin eine Rolle im Leben anderer spielt und ihnen Trost spendet. Die Laterne wird zum Symbol für Hoffnung, Gemeinschaft und Trost in verschiedenen Lebenssituationen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Als rote Blechlaterne
Bildsprache
An einem schmalen schmutzigen Fleet und dem zublinzeln, der einsam geht
Enjambement
Wenn ich tot bin, möchte ich immerhin so eine Laterne sein, und die müsste vor deiner Türe sein
Hyperbel
Die Träume draußen spuken
Kontrast
Fahler Abend überstrahlen
Metapher
Wenn ich tot bin, möchte ich immerhin so eine Laterne sein
Personifikation
die nachts ganz allein, wenn alles schläft auf der Welt, sich mit dem Mond unterhält
Reimschema
Fehlende Reime, was einen freien, fließenden Rhythmus erzeugt
Symbolik
Spricht für die Idee, dass man auch nach dem Tod noch eine Rolle spielen kann
Wiederholung
Oder am Hafen, wo die großen Dampfer schlafen und wo die Mädchen lachen, würde ich wachen