Lass ruh'n die Toten

Adelbert von Chamisso

1781

Es steht ein altes Gemäuer Hervor aus Waldes Nacht, Wohl standen Klöster und Burgen Einst dort in herrlicher Pracht.

Es liegen im kühlen Grunde Behauene Steine gereiht; Dort schlummern die Frauen, die Starken, Die Mächt’gen der alten Zeit.

Was kommst du nächtlicher Weile Durchwühlen das alte Gestein? Und förderst hervor aus den Gräbern Nur Staub und Totengebein.

Unmächtger Sohn der Stunde, Das ist der Zeiten Lauf, Lass ruh’n, laß ruh’n die Toten, Du weckst sie mit Klagen nicht auf.

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Illustration zu Lass ruh'n die Toten

Interpretation

Das Gedicht "Lass ruh'n die Toten" von Adelbert von Chamisso beschreibt die melancholische Stimmung einer alten, verfallenen Ruine, die einstmals von Klöstern und Burgen geprägt war. Die Überreste dieser prächtigen Vergangenheit liegen nun in Form von behauenen Steinen im kühlen Grunde, wo die Frauen, Starken und Mächtigen der alten Zeit ruhen. Die Atmosphäre ist von einer tiefen Stille und dem Gefühl des Vergänglichen durchdrungen. Der zweite Teil des Gedichts wendet sich direkt an einen nächtlichen Wanderer, der die alten Gräber durchwühlt und Staub und Knochen aus den Gräbern fördert. Der Sprecher fragt, warum der Wanderer die Totenruhe stört und mahnt ihn, die Toten in Frieden ruhen zu lassen. Die Zeilen "Unmächtger Sohn der Stunde, Das ist der Zeiten Lauf" verdeutlichen, dass der Wanderer machtlos gegenüber dem Lauf der Zeit ist und die Vergangenheit nicht wiederherstellen kann. Die abschließende Aufforderung "Lass ruh'n, laß ruh'n die Toten, Du weckst sie mit Klagen nicht auf" unterstreicht die Endgültigkeit des Todes und die Nutzlosigkeit, an der Vergangenheit festzuhalten. Chamisso vermittelt eine resignative Haltung gegenüber dem unaufhaltsamen Vergehen der Zeit und der Unvermeidlichkeit des Todes. Das Gedicht lädt den Leser dazu ein, die Vergänglichkeit des Lebens zu akzeptieren und die Toten in Frieden ruhen zu lassen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Dort schlummern die Frauen, die Starken
Anapher
Lass ruh'n, laß ruh'n die Toten
Hyperbel
Nur Staub und Totengebein
Kontrast
Kühlen Grunde / herrlicher Pracht
Metapher
Es steht ein altes Gemäuer / Hervor aus Waldes Nacht
Personifikation
Was kommst du nächtlicher Weile / Durchwühlen das alte Gestein?