Laß mich mit glühnden Zangen kneipen
1853Laß mich mit glühnden Zangen kneipen, Laß grausam schinden mein Gesicht, Laß mich mit Ruten peitschen, stäupen - Nur warten, warten laß mich nicht!
Laß mit Torturen aller Arten Verrenken, brechen mein Gebein, Doch laß mich nicht vergebens warten, Denn warten ist die schlimmste Pein!
Den ganzen Nachmittag bis Sechse Hab gestern ich umsonst geharrt - Umsonst; du kamst nicht, kleine Hexe, So daß ich fast wahnsinnig ward.
Die Ungeduld hielt mich umringelt Wie Schlangen; - jeden Augenblick Fuhr ich empor, wenn man geklingelt, Doch kamst du nicht- ich sank zurück!
Du kamest nicht - ich rase, schnaube, Und Satanas raunt mir ins Ohr: Die Lotosblume, wie ich glaube, Mokiert sich deiner, alter Tor!
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Interpretation
Das Gedicht "Laß mich mit glühnden Zangen kneipen" von Heinrich Heine ist eine leidenschaftliche und emotionale Darstellung der Qualen der Ungeduld und der sehnlichen Erwartung einer Geliebten. Der Sprecher bittet darum, mit verschiedenen Qualen und Torturen bestraft zu werden, solange er nicht warten muss. Er betont, dass das Warten die schlimmste Pein ist und dass er es nicht ertragen kann, vergeblich auf die Ankunft seiner Geliebten zu hoffen. Das Gedicht beschreibt die intensive Ungeduld und Nervosität des Sprechers, der den ganzen Nachmittag vergeblich auf die Ankunft seiner Geliebten wartet. Die Ungeduld umgibt ihn wie Schlangen und bei jedem Klingeln fährt er empor, in der Hoffnung, dass sie endlich kommt. Doch sie bleibt aus, und der Sprecher sinkt zurück in seine Verzweiflung. In der letzten Strophe wird die Frustration des Sprechers deutlich, als er vor Wut schnaubt und der Teufel ihm ins Ohr flüstert, dass die Lotosblume (ein Symbol für die Geliebte) sich über ihn lustig macht. Der Sprecher fühlt sich als "alter Tor" betrogen und gedemütigt, was seine Verzweiflung und seinen Schmerz noch verstärkt. Das Gedicht vermittelt eindringlich die Qualen der unerfüllten Sehnsucht und die zerstörerische Kraft der Ungeduld.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Laß mich mit glühnden Zangen kneipen, Laß grausam schinden mein Gesicht, Laß mich mit Ruten peitschen, stäupen
- Bildsprache
- Die Lotosblume, wie ich glaube, Mokiert sich deiner, alter Tor
- Hyperbel
- Laß mich mit glühnden Zangen kneipen, Laß grausam schinden mein Gesicht
- Metapher
- Die Ungeduld hielt mich umringelt Wie Schlangen
- Personifikation
- Satanas raunt mir ins Ohr
- Reimschema
- AABB