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Landung

Von

Mein weißer Schwan vor mir, noch ziehn wir leise
auf dunkler Flut durch unser Morgengrauen,
zur blassen Ferne, wo die Wellenkreise
dem jungen Tage hoch entgegenblauen.

So lassen wir uns tragen, weiter tragen,
und golden wird der dunkle Wasserbogen,
bis wir die seligen Inseln sehen ragen
im Glanz der Frühe aus den stillen Wogen.

Da wirst du losgeknüpft von meinen Zügeln,
der Nachen säumt, wir sind am Heimatlande;
da dehnst du dich mit ausgespannten Flügeln
und steigst hinauf mit mir zum hellen Strande.

Und von den Höhen wird ein Singen wehen,
die Bahn zum Licht zu weisen auch den Brüdern,
und durch die Tiefen wird ein Klingen gehen
von großem Glück: aus meinen Schwanenliedem.

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Gedicht: Landung von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Landung“ von Richard Dehmel beschreibt eine symbolische Reise und Ankunft, die weit mehr als nur eine physische Bewegung darstellt. Es beginnt mit einer Fahrt über ein dunkles Gewässer im Morgengrauen, wobei der „weiße Schwan“ (wahrscheinlich das lyrische Ich oder ein geliebtes Wesen) die Hauptfigur ist. Die Reise führt in eine „blasse Ferne“, wo die Wellen bereits das Blau des Tages erahnen lassen. Die Stimmung ist anfangs ruhig und fast melancholisch, was durch die Bilder von „dunkler Flut“ und „Morgengrauen“ unterstützt wird.

Die zweite Strophe beschreibt, wie die Dunkelheit langsam dem Gold des Tages weicht, und die Reisenden sich den „seligen Inseln“ nähern, die aus dem Wasser emporsteigen. Diese Inseln symbolisieren das ersehnte Ziel, die Ankunft in einer neuen, besseren Welt. Der Übergang von Dunkelheit zu Licht und von der Ferne zum Nahen verdeutlicht den Prozess der Hoffnung und Erwartung, der mit der Reise verbunden ist. Das „goldene“ Wasser und der „Glanz der Frühe“ unterstreichen das Gefühl des Aufbruchs und der Erneuerung.

In der dritten Strophe findet die eigentliche Landung statt, und das lyrische Ich und sein „Schwan“ erreichen die „Heimatlande“. Der Schwan wird von den „Zügeln“ befreit und entfaltet seine Flügel, um „zum hellen Strande“ aufzusteigen. Dieser Akt des Aufstiegs symbolisiert Freiheit und das Überschreiten einer Grenze. Das lyrische Ich erlebt einen Moment der Freude und der Verwandlung.

Die letzte Strophe offenbart die transformative Wirkung der Ankunft. Von den Höhen erklingt ein „Singen“, das anderen den Weg zum Licht weist. Gleichzeitig geht durch die „Tiefen“ ein „Klingen“ von großem Glück. Hier wird das Gedicht zu einer Verkündigung der Freude und des Friedens, die durch die gemeinsame Erfahrung entstanden sind. Das „Klingen“ aus den „Schwanenliedern“ deutet darauf hin, dass die Reise und die Ankunft in der Dichtung ihren Widerhall finden und so die Botschaft von Glück und Erneuerung weitergetragen wird. Dehmels Gedicht feiert somit nicht nur die Ankunft an einem bestimmten Ort, sondern auch die innere Reise, die Hoffnung und die gemeinsame Freude.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.