Landsturm

Max von Schenkendorf

1511

Die Feuer sind entglommen Auf Bergen nah′ und fern, Ha, Windsbraut, sei willkommen, Willkommen Sturm des Herrn.

O zeuch durch unsre Felder Und reinige das Land, Durch unsre Tannenwälder, Du Sturm von Gott gesandt.

Ihr Thürme, hoch erhoben In freier Himmelsluft, So zauberisch umwoben Von blauem Wolkenduft.

Wie habt ihr oft gerufen Die andachtvolle Schaar, Wenn an des Altars Stufen Das Heil zu finden war.

Die Wetter oft sich brachen Vor eurem Glockenklang; Nun führt ihr andre Sprachen, Es klingt wie Brautgesang.

Das Land ist aufgestanden - Ein herrlich Osterfest - Ist frei von Sklavenbanden, Die hielten nicht mehr fest.

Wo, Tod, sind deine Schrecken, O Hölle, wo dein Sieg? Und Satan, wie dich decken In diesem heil′gen Krieg?

Beschritten ist der Grenze Geweihter Zauberkreis, Nicht mehr um Eichenkränze Ficht Jüngling nun und Greis.

Nun gilt es um das Leben, Es gilt ums höchste Gut, Wir setzen dran, wir geben Mit Freuden unser Blut.

Du liebende Gemeine, Wie sonst am Tisch des Herrn Im gläubigen Vereine, Wie fröhlich strahlt dein Stern!

Wie lieblich klingt, wie heiter Der Losung Bibelton:

Hie Schwert des Herrn und Gideon.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Landsturm

Interpretation

Das Gedicht "Landsturm" von Max von Schenkendorf thematisiert die nationale Erhebung Deutschlands im Jahr 1813 gegen die napoleonische Fremdherrschaft. Es nutzt christliche und religiöse Bildsprache, um den Kampf als einen heiligen Krieg darzustellen, in dem das deutsche Volk als Gemeinschaft im Kampf für Freiheit und Unabhängigkeit auftritt. Der erste Teil des Gedichts beschreibt die Ausbreitung des Aufstands wie einen Sturm Gottes, der das Land reinigt und erneuert. Die Türme und Glocken, die früher zum Gebet riefen, erklingen nun wie ein Brautgesang, der die Befreiung und Erneuerung des Landes feiert. Der Vergleich mit dem Osterfest unterstreicht die Auferstehung des deutschen Volkes aus der Sklaverei. Der zweite Teil des Gedichts betont die Opferbereitschaft und den Zusammenhalt des Volkes im Kampf für das höchste Gut der Freiheit. Es zitiert biblische Verse, die den Kampf als einen Kampf Gottes gegen das Böse darstellen. Die Gemeinschaft der Kämpfenden wird als eine Art religiöse Gemeinschaft beschrieben, die in ihrem Glauben an die gerechte Sache geeint ist. Das Zitat aus dem Buch der Richter am Ende unterstreicht die göttliche Legitimation des Kampfes.

Schlüsselwörter

herrn willkommen sturm unsre land oft heil klingt

Wortwolke

Wortwolke zu Landsturm

Stilmittel

Apostrophe
Ha, Windsbraut, sei willkommen, / Willkommen Sturm des Herrn
Metapher
Hie Schwert des Herrn und Gideon
Personifikation
Die Feuer sind entglommen / Auf Bergen nah' und fern