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Landschaftsmaler – Italiänischer

Von

Hurtig, Postillon! Cospetto die Bacco! Die Pferde
Laufen wie Mähren und ich habe nicht länger Geduld.
Das will Eile! Der Hügel in Rom sind sieben, und alle
Muß ich haben, und noch jeden von hinten und vorn.
Hab′ ich die Extrapost doch bezahlt! Drum hurtig, Herr Schwager,
So in Flug und Galopp nehm′ ich das Ding mir hinweg.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Landschaftsmaler - Italiänischer von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Landschaftsmaler – Italiänischer“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist ein lebendiges, humorvolles Selbstporträt eines Malers, der von der Schönheit und den Eindrücken Roms überwältigt ist und versucht, diese rasch zu erfassen. Es ist von einer ungestümen Energie getragen, die durch die direkten Ansprachen, die Ausrufe und die bildhafte Sprache des Italienischen verstärkt wird.

Die ersten Zeilen setzen den Ton des Gedichts: ein hastiger Aufbruch, ein Drängen nach Geschwindigkeit, ausgedrückt durch den Befehl an den Postillon und den Ausruf „Cospetto die Bacco!“, eine Anspielung auf den römischen Weingott, die die Begeisterung und das italienische Flair des Künstlers unterstreicht. Die Metapher der „Mähren“ für die Pferde deutet auf deren rasantes Tempo hin, das für den Maler jedoch nicht schnell genug sein kann. Der Maler ist von einer unbändigen Sehnsucht getrieben, die sieben Hügel Roms zu erfassen, sie „von hinten und vorn“ zu sehen und zu malen. Dies verdeutlicht seinen künstlerischen Drang nach Vollständigkeit und seine Ungeduld, diese einzigartige Landschaft schnell zu erfassen.

Die Zeilen spiegeln nicht nur die äußere Eile des Malers wider, sondern auch seinen inneren Zustand: ein Feuerwerk an Kreativität und ein Gefühl der Dringlichkeit, die Schönheit und den Reiz der italienischen Landschaft festzuhalten. Die Verwendung des Wortes „Extrapost“ weist auf die finanziellen Aufwendungen hin, die der Maler bereit ist zu tätigen, um seinen künstlerischen Zielen nachzukommen. Die Anrede „Herr Schwager“ wirkt fast beiläufig und unterstreicht die persönliche, lebendige Natur des Gedichts. Der Schlusssatz „So in Flug und Galopp nehm‘ ich das Ding mir hinweg“ drückt die Entschlossenheit des Malers aus, das römische Erlebnis in einem einzigen Anlauf zu erobern.

Waiblingers Gedicht ist eine Hommage an die Schönheit und den Reiz Italiens und zugleich ein Selbstporträt eines Künstlers, der von seinem Beruf mitgerissen wird. Der Maler ist ein rastloser, begeisterter Reisender, der sich dem Betrachter als ein von seinen Erlebnissen überwältigter Mensch präsentiert. Das Gedicht erzeugt den Eindruck eines Momentaufnahmekunstwerks, in dem die Sprache und die Bilder die Aufregung und die Leidenschaft des Malers in vollem Umfang widerspiegeln. Die Kürze des Gedichts, seine rhythmische Lebendigkeit und die italienischen Einflüsse schaffen ein unvergessliches Bild der künstlerischen Leidenschaft und der Sehnsucht nach dem Einfangen der Schönheit der Welt.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.