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Landschaftsmaler – Deutscher

Von

Welche Natur! welch Studium ist′s, das kostet des Schweißes,
Kostet der Tage so viel, ach und das Geld ist so rar.
Was nur der Ultramarin mich geängstiget! Doch ist′s der Himmel,
Ist es das Ganze, der Geist, was ich erziele, noch nicht.
Nein! der Vordergrund ist′s, ob dem ich möchte verzweifeln,
Sieben Monate schon schaff′ ich mit Eifer daran.
Aber es glückt, und ich mache nun doch zwei gemüthliche Blümlein
Täglich, und schon hab′ ich hundert und zehen gemacht.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Landschaftsmaler - Deutscher von Wilhelm Friedrich Waiblinger

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Landschaftsmaler – Deutscher“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine melancholische Reflexion über die Schwierigkeiten und Frustrationen, die ein Künstler bei der Ausübung seines Berufs erlebt. Es beginnt mit einem Ausruf über die Schönheit der Natur und der Notwendigkeit, sie zu studieren, was jedoch sowohl körperliche Anstrengung als auch finanzielle Belastungen mit sich bringt. Der Dichter beklagt den Preis, den er zahlen muss – „Schweiß“ und „Tage“ – und die Knappheit an Geld, was die Mühen des Künstlerlebens verdeutlicht.

Der zweite Teil des Gedichts konzentriert sich auf die künstlerischen Herausforderungen. Der Dichter ist von der Qualität des Himmels, dem „Ganzen“, „dem Geist“ seiner Arbeit noch nicht überzeugt. Dies deutet auf ein Streben nach Perfektion und eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Schaffen hin, ein weitverbreitetes Gefühl unter Künstlern. Die eigentliche Quelle der Verzweiflung ist jedoch der Vordergrund des Gemäldes, an dem er bereits sieben Monate gearbeitet hat. Diese Fokussierung auf den Vordergrund könnte symbolisch für die Details und technischen Aspekte der Kunst stehen, die oft als am schwierigsten zu meistern empfunden werden.

Trotz der anfänglichen Verzweiflung und dem langen Arbeitsprozess erfährt das Gedicht eine Wendung. Der Dichter freut sich über seine Fortschritte, indem er nun „zwei gemüthliche Blümlein“ pro Tag malt. Diese „Blümlein“ stehen für kleine Erfolge und die stetige Verbesserung, die durch Ausdauer und Hingabe erreicht wird. Die Erwähnung von „hundert und zehen“ gemalten Blümlein verstärkt das Gefühl der Genugtuung und zeigt, dass trotz der anfänglichen Frustration Fortschritte gemacht werden.

Waiblingers Gedicht fängt auf subtile Weise die Ambivalenz des künstlerischen Prozesses ein. Es zeigt sowohl die Schwierigkeiten und Opfer, die mit dem Streben nach künstlerischer Exzellenz verbunden sind, als auch die kleinen Freuden und die Genugtuung, die durch die stetige Arbeit entstehen. Der Text ist ein berührendes Zeugnis für die Hartnäckigkeit und das Engagement, das für die Kunst unerlässlich ist und für die Liebe zum Detail, selbst wenn die großen Ziele noch in weiter Ferne liegen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.