Fürchterlich saust der Orkan; es schäumt das Meer aus dem Grund auf,
Wolken bersten, es scheint heut′ die Natur zu vergehn.
Regen schüttet, es zittert die Erd′, es wüthet der Donner,
Eichen splittern, der Wind wurzelt in Wahnsinn sie aus.
Grauenerweckende Nacht! der verheerende Blitz nur beleuchtet,
Stürme wehen das Haar schrecklich dem Maler empor,
Stürme fassen ihm schon den Regenschirm, und der Blitz zuckt
Flammend auf ihn, doch er bleibt, malt und studirt die Natur.
Landschaftmaler – Französischer
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Landschaftmaler – Französischer“ von Wilhelm Friedrich Waiblinger beschreibt in eindringlichen Bildern die Szene eines Malers, der inmitten eines tobenden Unwetters unerschütterlich seine Kunst ausübt. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung der Naturgewalten: Orkan, schäumendes Meer, berstende Wolken, Regen, Donner und umstürzende Bäume. Diese ersten Zeilen etablieren eine Atmosphäre von apokalyptischer Zerstörung, in der die Natur scheinbar untergeht. Die Verwendung starker Verben wie „saust“, „schäumt“, „bersten“, „zittert“ und „wüthet“ verstärkt den Eindruck der wilden und unbändigen Kräfte.
Im zweiten Teil des Gedichts rückt der Landschaftsmaler in den Fokus. Trotz der Gefahr, die von dem Unwetter ausgeht, bleibt der Maler unerschrocken. Der Wind spielt mit seinem Haar, der Blitz zuckt bedrohlich, aber er verharrt am Ort und malt. Die Gegenüberstellung von Naturgewalt und menschlicher Beharrlichkeit ist zentral für die Botschaft des Gedichts. Der Maler wird hier zu einem Symbol für die unerschütterliche Hingabe an die Kunst und die Überwindung äußerer Umstände. Er trotzt den Elementen, um die Schönheit und die Gewalt der Natur festzuhalten.
Die Beschreibung des Malers als „Französisch“ deutet auf eine mögliche Romantisierung des Künstlerbildes hin, das in der Epoche der Romantik üblich war. Der Künstler als Genie, das sich über Konventionen und Gefahren hinwegsetzt, um seine Vision zu verwirklichen. Die „grauenerweckende Nacht“ und die „Stürme“ verstärken die Vorstellung des Künstlers als jemand, der sich in die Tiefen der Natur und des Lebens wagt. Der Regenschirm, der vom Sturm erfasst wird, unterstreicht die Hilflosigkeit des menschlichen Artefakts gegenüber der Urgewalt, während der Maler selbst standhaft bleibt.
Die Natur wird hier nicht nur als Kulisse dargestellt, sondern als lebendiges, gewaltiges Wesen, das den Künstler herausfordert und gleichzeitig inspiriert. Waiblinger zeigt, wie der Künstler die Naturgewalten beobachtet und studiert, was auf eine tiefe Verbundenheit mit der Natur hindeutet. Der Blitz, der flammend auf ihn zuckt, kann als Metapher für die Inspiration gesehen werden, die den Maler in seiner Kunst beflügelt. Die Zeile „doch er bleibt, malt und studirt die Natur“ ist der Höhepunkt, der die Entschlossenheit und das Engagement des Malers verdeutlicht, ganz gleich, welche Widrigkeiten ihm begegnen. Das Gedicht feiert die Leidenschaft und die unerschütterliche Hingabe des Künstlers an sein Schaffen.
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Lizenz und Verwendung
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